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Terrorismus:Bröckelnde Mauern

In Syrien fliehen IS-Häftlinge. Das ist auch Europas Schuld.

Zu den apokalyptischen Szenarien, die in den vergangenen Wochen Realität wurden, kam nun ein weiteres: In einer Haftanstalt im syrischen Hasaka rebellierten Gefangene, rissen Wände ein und Überwachungskameras ab. Einige entkamen. Es waren nicht irgendwelche Häftlinge, sondern Mitglieder der Terrormiliz IS, die in den vergangenen Jahren die Region in Blut getränkt und die Welt mit Anschlägen paralysiert hatte.

Die Männer, die einst vom Märtyrertod träumten, sollen aus Angst vor dem Coronavirus rebelliert haben. So skurril das klingen mag - ihre Angst vor einer Infektion wäre berechtigt: Allein im Gefängnis in Hasaka werden 5000 Gefangene gehalten, eng aufeinander und in katastrophalen hygienischen Verhältnissen.

Sollten weitere Ausbruchsversuche dieser Art erfolgreich sein und ein Wiedererstarken des IS nach sich ziehen, wird sich niemand darauf hinausreden können, dass dies eben zu den bedauerlichen Folgen einer unvorhersehbaren Pandemie zähle. Denn ein nicht unbeträchtlicher Teil der Gefangenen könnte längst in Europa hinter sichereren Mauern sitzen. Seit Jahren betteln die kurdischen Kräfte in Syrien, dass westliche Staaten ihre Bürger zurücknehmen sollen, die in der Region ihre Wahnvorstellungen verwirklichen wollten. Doch Europa, auch Deutschland, stellte sich taub.

© SZ vom 01.04.2020

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