Terrorgruppe in Syrien Wer die Islamisten von Chorasan sind

Nur aus einigen Dutzend Kämpfern soll Chorasan bestehen. Trotzdem behaupten die USA, die Terrorgruppe sei für den Westen so gefährlich wie der IS - und bombardieren ihre Stellungen in Syrien. Doch wer sind die Kämpfer? Was macht sie so bedrohlich? Und haben sie etwas mit dem IS zu tun?

Von Barbara Galaktionow

Am Dienstag führten die USA eine Reihe von Luftschlägen in Syrien durch. Der Einsatz galt der Bekämpfung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Doch nicht nur. Wie US-Präsident Barack Obama später überraschend mitteilte, nutzten die USA den Einsatz, um gleichzeitig gegen eine andere Terrorgruppe in Syrien vorzugehen, von der in der Öffentlichkeit bislang so gut wie gar nichts bekannt ist: die "Chorasan"-Gruppe.

Von dieser islamistischen Gruppierung soll eine unmittelbare Gefahr für die westliche Welt ausgehen. Das behaupten zumindest die USA. Hochrangige Vertreter des Pentagon und der Geheimdienste sagten US-Medien, dass Chorasan Anschläge auf die USA und andere westliche Staaten plane. Generalleutnant William Mayville sprach der New York Times (NYT) zufolge davon, dass die Terrorgruppe sich "der Ausführungsphase eines Angriffs entweder in Europa oder im Heimatland (den USA, die Red.)" genähert habe. Die Anschlagspläne seien vergangene Woche entdeckt worden, berichtet CNN.

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"Einmal mehr, es sollte jedem, der Anschläge gegen Amerika plant und versucht, Amerikanern zu schaden, klar sein, dass wir keine sicheren Häfen für Terroristen dulden werden, die unser Volk bedrohen", sagte Obama in Washington zur Bedrohung durch Chorasan.

Doch was steckt hinter Chorasan? Woher kommt die Terrorgruppe, wer gehört ihr an? Und steht sie mit den IS-Milizen in der Region in Verbindung?

Wer ist die Chorasan-Gruppe?

Alles, was im Moment über Chorasan bekannt ist, stammt aus US-Regierungs- und Geheimdienstkreisen. Andere Quellen, die Details über die Terroristen und ihr Bedrohungspotential bestätigen, gibt es bislang nicht.

Das Bundesinnenministerium bestätigte auf eine Anfrage von SZ.de immerhin die Existenz der Gruppe. "Die sogenannte Chorangruppe ist den Sicherheitsbehörden bekannt", heißt es in der Antwort, die einen Tag nach der Veröffentlichtung dieses Artikels, in der Redaktion einlief. Zu weiteren Details wollte sich die Behörde nicht äußern.

Bei Chorasan soll es sich um einen relativ kleinen Ableger von al-Qaida handeln, wie verschiedene US-Medien unter Berufung auf etwa ein halbes Dutzend unterschiedlicher Regierungs- und Geheimdienstmitarbeiter schreiben. Ihre Mitglieder sollen in enger Verbindung zur al-Nusra-Front, dem syrischen Arm des Terrornetzwerks, stehen. Der ABC zufolge besteht die Gruppierung aus etwa 50 erprobten Kämpfern. US-Präsident Obama bezeichnet sie als "bewährte Mitglieder von al-Qaida in Syrien". Ihre Mitglieder sollen ursprünglich aus Ländern und Regionen wie Pakistan, Afghanistan, Nordafrika und Tschetschenien stammen, schreibt die NYT. Die Gruppe soll sich erst innerhalb des vergangenen Jahres gebildet haben. Ihren Sitz vermuten die USA westlich von Aleppo.

Ob es sich bei Chorasan um eine festgefügte Gruppe oder eher um einen losen Zusammenschluss von Kämpfern handelt, scheint nicht sicher zu sein. So sagten einige namentlich nicht genannte US-Behördenvertreter dem britischen Guardian zufolge sogar, es sei unklar, ob so etwas wie eine namentlich organisierte Gruppe überhaupt existiere oder ob es sich mehr um eine informellen "Arbeitszusammenschluss" von Militanten handele.

Wer führt sie?

Kopf der Gruppe soll der in Kuwait geborene Muhsin al-Fadhli sein. Der 33-Jährige stammt aus dem engsten Umfeld um den früheren Al-Qaida-Chef Osama bin Laden, schreibt die NYT unter Berufung auf das US-State-Department. Amerikanische Geheimdienste jagen ihn demnach seit mindestens zehn Jahren und haben für Informationen, die zu seiner Gefangennahme führen, ein Kopfgeld von sieben Millionen Dollar ausgesetzt.

Möglicherweise ist das inzwischen schon Makulatur: Mit den Luftschlägen vom Dienstag beabsichtigten die USA jedenfalls, die Chorasan-Führung zu töten, wie die NYT schreibt. Doch sei unklar, ob die US-Armee ihr Ziel tatsächlich erreicht habe, wenn auch einige Twitter-Nachrichten von Dschihadisten-Gruppen darauf hindeuteten.