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Terrorgefahr in Deutschland:Plaudern über kommende Schlachten

Innenminister de Maizière hat konkrete Hinweise auf einen Anschlag in Deutschland. Doch schon seit Wochen kursieren Vermutungen, islamistische Terroristen könnten zuschlagen. Indes: Es gibt viele Verdächtige - und es ist schwer zu sagen, wem man Anschläge zutrauen muss.

Zum Beispiel Mohammed Ilyas Kaschmiri: Die Amerikaner dachten, sie hätten ihn längst getötet. Angeblich war er im September 2009 einem US-Drohnenangriff im Nordwesten Pakistans zum Opfer gefallen. Aber das unbemannte Predator-Flugzeug verfehlte ihn.

Erhoehte Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen Leipzig/Halle

Die Polizei-Kontrollen an den deutschen Flughäfen und Bahnhöfen werden wieder strenger.

(Foto: dapd)

Einige Zeit nach der vermeintlichen amerikanischen Erfolgsmeldung meldete sich der Gejagte zu Wort. Er empfing im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet einen Reporter der Asia Times. Der 1,80 Meter große Untergrundkämpfer ging am Stock, trug ein Maschinengewehr über der Schulter und plauderte dann wolkig über kommende Schlachten. "Ich würde sagen, jedes Ziel hat seine Zeit und seine Gründe", erklärte Kaschmiri, der im Kampf gegen sogenannte Ungläubige ein Auge verloren hat und zu Unrecht als früherer Angehöriger pakistanischer Elite-Truppen dargestellt wird. Der Mann weiß immerhin, wie man einen Guerilla-Krieg führt, er hat es schon im Kampf gegen die Sowjets gelernt.

Droht von einem wie ihm Gefahr für Deutschland? Seit längerer Zeit warnen die US-Sicherheitsbehörden ihre deutschen Kollegen immer wieder davor, dass der einäugige Kaschmiri ein bis zwei Dutzend seiner Kämpfer nach Europa geschickt haben könnte, um hier Anschläge zu begehen. Womöglich planten sie eine Kommandoaktion wie jene in Mumbai, wo Terroristen vor zwei Jahren tagelang wüteten und dabei fast 200 Menschen töteten.

In deutschen Sicherheitskreisen heißt es, der Hinweis auf Kaschmiri sei nicht der konkrete Anlass für jene Terrorwarnung, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Mittwoch ausgegeben hat. Aber alle Informationen über den angeblichen Terroristen Kaschmiri werden sorgfältig ausgewertet.

Die Gefahr hat viele Gesichter und die Angst vor Kaschmiri und anderen mutmaßlichen Qaida-Größen offenbart das Dilemma deutscher und europäischer Sicherheitsexperten. Sie kennen viele zwielichtige Figuren, denen man das Schlimmste zutrauen muss, aber es ist schwer zu erkennen, wo die größte Gefahr in diesem Augenblick wirklich lauert. Mal sind es aus Deutschland nach Afghanistan oder Pakistan gereiste Terrorlehrlinge, die auf der Rückreise sind, mal ein aufstrebender Strippenzieher am Hindukusch, mal al-Qaida im Maghreb oder jene auf der arabischen Halbinsel.