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Terrorangriffe im Irak:Islamistische Kämpfer nähern sich Bagdad

Ein auf YouTube hochgeladenes Video zeigt angeblich beschädigte Militärfahrzeuge nach Kämpfen in der Stadt Mossul.

(Foto: AFP)

+++ Radikalislamische Kämpfer stürmen türkisches Konsulat in zweitgrößter irakischer Stadt Mossul +++ 48 Menschen als Geiseln genommen, Türkei droht mit "Vergeltung" +++ Dschihadisten nehmen die Stadt Tikrit ein +++ Hunderttausende Menschen auf der Flucht +++

  • Terrorgruppe Isis rückt Richtung Bagdad vor
  • Irakischer Ministerpräsident weist Berichte zurück und sucht Verbündete
  • Türkischer Konsul und 47 weitere Menschen als Geiseln genommen, Türkei droht mit "Vergeltung"
  • Hunderttausende Menschen auf der Flucht
  • USA sichern Irak Unterstützung zu

Isis-Kämpfer nehmen mehrere Städte ein: Die radikalislamische Terrorgruppe Isis ("Islamischer Staat im Irak und Syrien") bringt weite Teile des Iraks unter ihre Kontrolle und stürzt das Land in eine schwere innenpolitische Krise. Innerhalb weniger Stunden bewegten sich Kämpfer der islamistischen Organisation von Nordwesten aus durch das Land Richtung Bagdad. Am Dienstag hatten Kämpfer zunächst die nordirakische Millionenmetropole Mossul nahezu kampflos eingenommen. Im Verlauf dieses Mittwochs drangen die Isis-Truppen bis Samara, rund 130 Kilometer nördlich von Bagdad vor. Unterwegs wurden die Regionen Ninive, Anbar und Salah ad-Din erobert, mit den strategisch wichtigen Städten Baidschi und Tikrit. In Baidschi, etwa 200 Kilometer nördlich von Bagdad, brachten Isis-Kämpfer die Ölraffinerie und das Elektrizitätswerk unter ihre Kontrolle, wie Medien berichteten. Von diesem Werk wird auch die Hauptstadt Bagdad mit Strom versorgt.

Al-Maliki weist Berichte über Erfolge von Isis-Kämpfern zurück: Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki nennt Berichte über das Vordringen von Isis "Verschwörungen und Falschmeldungen". Die Armee sorge für eine Stabilisierung der Region. Al-Maliki regt aber die Bildung einer neuen Brigade aus Soldaten und Zivilisten an, die die Terroristen zurückschlagen soll, zitierte die Nachrichtenseite Al-Sumaria News den Ministerpräsidenten. Zudem fordert er die unabhängigen kurdischen Truppen im Norden des Landes, die "Peschmerga", auf, bei der Gegenwehr zu helfen. Die kurdische Nachrichtenseite Rudaw meldete, Peschmerga-Truppen hätten sich zur Kooperation bereiterklärt. Man müsse mit einem "Guerillakrieg" gegen Isis vorgehen, wurde ein Offizier zitiert. In Syrien haben unabhängige kurdische Milizen bereits erfolgreich gegen Isis-Truppen gekämpft.

Geiselnahme in türkischem Konsulat: Nach dem Sturm auf Mossul werden dort der türkische Konsul sowie 47 weitere Menschen im Konsulat als Geiseln genommen. Türkischen Regierungskreisen zufolge sind darunter drei Kinder. Die Geiseln seien unverletzt auf einen Stützpunkt der Rebellen gebracht worden. Zuvor waren bereits 30 türkische Lkw-Fahrer verschleppt worden. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu droht mit "härtester Vergeltung", sollte einer der Geiseln etwas geschehen. "Im Augenblick sind wir beim ruhigen Krisenmanagement, aber das sollte nicht missverstanden werden", sagt er. Seine USA-Reise hat er abgebrochen.

Hunderttausende auf der Flucht: Allein in Mossul flohen etwa 500 000 Menschen vor den Extremisten. Sie hätten ihre Wohnhäuser aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen verlassen, berichtet die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf. Durch Kämpfe habe es unter der Zivilbevölkerung "eine hohe Zahl von Opfern" gegeben.

USA sichern Irak Unterstützung zu: Die USA haben der irakischen Regierung ihre Unterstützung im Kampf gegen radikalislamische Terrorgruppe Isis zugesichert. Washington arbeitete mit den Partnern im Irak an einem "geeinten Vorgehen" gegen die radikalen Islamisten, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki. Die Lage vor Ort sei sehr ernst. "Wir sind bereit, jede angemessene Unterstützung zur Verfügung zu stellen." Der US-Kongress berät derzeit außerdem über weitere Hilfen im Umfang von einer Milliarde Dollar, darunter Humvee-Panzerfahrzeuge und Flugzeuge vom Typ AT-6C Texan II.

"Islamischer Staat im Irak und Syrien" erbeutet Waffen: Die Isis ist eine der radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Als "Islamischer Staat im Irak und Syrien" kämpft die Gruppe für einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat. Laut Human Rights Watch (HRW) erbeuteten die Kämpfer auf ihrem Feldzug große Waffenarsenale der irakischen Armee. Die Waffen könne Isis nun in das Bürgerkriegsland Syrien einschleusen - und den Konflikt dort noch verschärfen, warnte Peter Bouckaert von HRW.

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