Terror-Miliz in Syrien:Obama räumt Fehleinschätzung des IS ein

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Während der "Islamische Staat" immer näher an die kurdische Enklave Kobane heranrückt, sagt US-Präsident Obama im Fernsehinterview: Sein Land habe die Terroristen unterschätzt. Syrien sei eine Art "Ground Zero" für Dschihadisten geworden.

  • In einem Fernsehinterview räumt US-Präsident Obama ein, die Gefahr durch die IS-Miliz unterschätzt zu haben.
  • Die Dschihadistenkämpfer rücken in Nordsyrien offenbar immer näher an die umkämpfte kurdische Stadt Ain al-Arab heran.

Obama: Wir haben IS-Terrormiliz unterschätzt

Die US-Geheimdienste haben nach Ansicht von Präsident Barack Obama die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien unterschätzt. Zugleich hätten die USA die Schlagkraft der irakischen Armee im Kampf gegen die vorrückenden Dschihadisten überschätzt, räumte Obama in einem am Sonntag ausgestrahlten Fernsehinterview des Senders CBS ein. Die Extremisten hätten sich das Chaos im syrischen Bürgerkrieg stärker zu Nutzen gemacht als erwartet, sagte Obama. Die USA hätten die Gefahr unterschätzt, dass diese sich nach Syrien zurückziehen und von dort eine Offensive starten, sagte Obama. Syrien sei zu einer Art "Ground Zero" für Dschihadisten aus der ganzen Welt geworden. CBS bezeichnete die Äußerung Obamas als eine der offensten, die er bisher zum Aufstieg des IS gemacht habe.

Am Wochenende hatte die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition ihre Angriffe auf Stellungen der IS-Miliz in Syrien und im Irak fortgesetzt. In der Nacht auf Sonntag bombardierte die Allianz im Norden Syriens nach Angaben von Aktivisten mindestens drei Ölraffinerien, die unter Kontrolle des IS stehen. Im Irak attackiert die US-Luftwaffe den IS bereits seit Anfang August. Washington kann dabei auch auf eine immer breitere Unterstützung von europäischen Partnern zählen. Nach Frankreich schlossen sich zunächst Großbritannien, Dänemark, Belgien und die Niederlande an. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erwägt eine militärische Unterstützung seines Landes.

Berichte über Großangriff auf Kurden-Enklave

Die IS attackieren unterdessen offenbar die kurdische Enklave Ain al-Arab in Nordsyrien: Mindestens elf Granaten seien am Sonntagabend in der Stadt eingeschlagen, meldete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London. Eine arabische Journalistin vor Ort berichtete unter Berufung auf Anwohner, es sei das erste Mal, dass die IS-Miliz einen so großen Angriff unmittelbar auf die Stadt führe. Autos würden "reihenweise" die Stadt verlassen. Ein Korrespondent der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw bestätigte Angriffe auf das Stadtzentrum.

Am Montag sollen die Extremisten bereits auf vier bis sieben Kilometer an die Stadt herangerückt seien, sagte der Vorsitzende der selbst ernannten Regionalregierung des Gebiets, Anwar Muslim, der Nachrichtenagentur dpa. Die Dschihadisten versuchen seit Tagen, Ain al-Arab einzunehmen. Vor mehr als einer Woche hatten sie Dutzende Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht und eine Massenflucht Richtung Türkei ausgelöst. Die Orte liegen an der türkischen Grenze in einer Enklave, die bisher von den kurdischen Volksschutzeinheiten beherrscht wurde.

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