Terror in Tunis Behörden fahnden nach drittem Attentäter von Tunis

Die Szene des Überwachungsvideos, in der ein möglicher dritter Attentäter zu sehen ist.

(Foto: dpa)
  • In einem Interview sagt der tunesische Präsident Béji Caïd Essebsi, dass an dem Anschlag auf das Nationalmuseum ein dritter Attentäter beteiligt war.
  • Das legen die am Samstag veröffentlichten Bilder der Überwachungskameras nahe. Der Verdächtige sei auf der Flucht. "Er wird aber nicht sehr weit kommen", sagt Essebsi.
  • Bei dem Terrorakt im Bardo-Museum sind am Mittwoch mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen, darunter viele europäische Touristen. Auch zwei Attentäter starben.

Dritter Täter auf der Flucht

Nach dem Anschlag auf das Nationalmuseum in Tunis mit mehr als 20 Toten fahnden die tunesischen Behörden nach einem möglichen dritten Attentäter. Wie Präsident Béji Caïd Essebsi in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender Itélé und dem Radiosender Europe 1 sagte, ist der Verdächtige flüchtig. "Er wird aber nicht sehr weit kommen", fügte Essebsi hinzu.

Zuvor vom Innenministerium veröffentlichtes Material von Überwachungskameras des Bardo-Museums stützen Essebsis Aussage. In dem etwa einmütigen Video sind die beiden Attentäter zu sehen, wie sie langsam durch die Räume des Nationalmuseums gehen. Einer der Terroristen trägt eine rote Kapuze, der andere eine schwarze Schirmmütze, beide sind mit Gewehren bewaffnet. An einer Treppe treffen sie einen dritten Mann, der nach der kurzen Begegnung weitergeht. Außerdem werden in dem Video Fotos der nach dem Anschlag getöteten Angreifer gezeigt. Einer der Männer trägt einen Sprengstoffgürtel, der rot markiert ist.

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Viele Festnahmen nach landesweiter Razzia

Am Samstag hatte Tunesiens Innenminister Mohamed Ali Aroui mitgeteilt, dass bislang mehr als zehn Verdächtige festgenommen worden seien, die "direkt oder indirekt in den Anschlag verwickelt waren". Außerdem werde der Tunesier Maher Ben Mouldi Kaïdi per Haftbefehl gesucht. Ob es sich bei Kaïdi um den von Essebsi genannten dritten Attentäter handelt, ist derzeit unklar. Eine Sprecherin der tunesischen Staatsanwaltschaft sprach von "Fortschritten" bei den Ermittlungen.

Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen

Tunesiens Präsident warf Polizei und Geheimdiensten vor, "nicht systematisch genug" vorgegangen zu sein, um die Sicherheit des Bardo-Museums zu gewährleisten. "Es gab Defizite", sagte Essebsi dem Magazin Paris Match. Trotzdem hätten die Sicherheitskräfte "sehr effektiv reagiert" und dem Angriff schnell ein Ende bereitet, betonte der Präsident. Dadurch seien Dutzende weitere Opfer verhindert worden, weil die Attentäter ihre Sprengstoffgürtel nicht mehr hätten zünden können.

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Gerüchte zufolge haben die Sicherheitskräfte jedoch keineswegs optimal gehandelt. So sollen Wachmänner, die das Museum und das nahegelegene Parlament schützen sollten, zum Zeitpunkt des Anschlags nicht auf ihren Posten gewesen sein. Von vier Polizisten seien zwei in einem Café gewesen, der dritte habe sich etwas zu essen geholt, der vierte sei gar nicht zum Dienst erschienen, hieß es.

Viele Touristen unter den Toten

Bei dem Attentat, zu dem sich die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) bekannte, waren am Mittwoch unter anderem Touristen aus Italien, Japan, Frankreich, Spanien und Polen getötet worden. Die beiden bislang identifizierten Angreifer, zwei junge Tunesier, wurden von der Polizei erschossen. Essebsi legte vor dem Museum Blumen zur Erinnerung an die Opfer des Anschlags nieder.