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Terror in Paris:Festgenommener Salah Abdeslam: Eine Spur führt nach Ulm

  • Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam ist nach langer Flucht in Belgien festgenommen worden.
  • Er soll an den Anschlägen von Paris im November 2015 beteiligt gewesen sein, bei denen 130 Menschen starben.
  • Die belgischen Behörden haben Abdeslam und einen Komplizen jetzt wegen Mordes angeklagt.

Monatelang haben Sicherheitsbehörden nach Salah Abdeslam gefahndet. Jetzt ist der 26-jährige Terrorverdächtige festgenommen worden. Er soll an den Anschlägen von Paris beteiligt gewesen sein, bei denen am 13. November drei Killerkommandos 130 Menschen getötet hatten.

Was man bisher über den Mann weiß

Salah Abdeslam ist in Brüssel geboren, aber französischer Staatsbürger. Er ist der Bruder des Selbstmordattentäters Brahim, der ebenfalls bei den Anschlägen dabei war. Die verstümmelte Leiche des 31-jährigen Brahim Abdeslam hatte die Polizei am Tag des Anschlags am Boulevard Voltaire in der Nähe des Konzertsaals Bataclan gefunden, wo er sich in die Luft gesprengt hatte. Salah wohnte im Brüsseler Vorort Molenbeek, der als eine Hochburg von gewaltbereiten Islamisten in Belgien gilt.

Abdeslam soll in Deutschland gewesen sein

Laut Recherchen des SWR soll sich Abdeslam Anfang Oktober 2015 kurzzeitig in Baden-Württemberg aufgehalten und dort womöglich Komplizen abgeholt haben. Demnach fuhr er in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2015 mit einem auf seinen Namen angemieteten Wagen nach Ulm und offenbar nach etwa einer Stunde wieder zurück. Er könnte in Ulm laut SWR drei Männer, die sich als Syrer ausgegeben hatten, aus einer Flüchtlingsunterkunft abgeholt haben. Bei einer Anwesenheitskontrolle am 3. Oktober wurde festgestellt, dass die drei Männer in der Unterkunft fehlten. Ihre Identität werde vom Bundeskriminalamt gemeinsam mit französischen und belgischen Sicherheitsbehörden geprüft, hieß es. Die deutschen Behörden wollten sich nicht zu dem Vorgang äußern.

Familie bat ihn, sich zu stellen

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Wie andere Islamisten auch ist Abdeslam im Brüsseler Stadtteil Molenbeek aufgewachsen. Er war der Polizei wegen Drogendelikten bekannt. Seinen Job als Mechaniker verlor er 2011 wegen häufiger Abwesenheit. Ab 2013 betrieb er eine Bar in Molenbeek, die schließlich von den Behörden geschlossen wurde, weil Gäste dort Drogen genommen haben sollen. Mit Abdelhamid Abaaoud, der die Anschläge von Paris vermutlich geplant hat, war Salah Abdeslam seit seiner Kindheit befreundet.

Nach den Anschlägen in Frankreich wurde er per internationalem Haftbefehl gesucht. Fahnder beschrieben ihn als "gefährlich" und möglicherweise "schwer bewaffnet". Zwischenzeitlich war auch über einen Aufenthalt in Syrien spekuliert worden. Salahs Bruder Mohamed hatte in Fernsehinterviews an den Gesuchten appelliert, sich zu stellen. Er selbst war nach den Anschlägen kurzzeitig festgenommen, aber bald wieder freigelassen worden. Seine Anwältin sagte, er habe "nicht das gleiche Leben gewählt" wie seine Brüder.

Mohamed berichtete, dass Brahim und Salah in den Monaten vor den Anschlägen im November in Paris gesünder gelebt, gebetet, keinen Alkohol mehr getrunken hätten und hin und wieder in die Moschee gegangen seien. Er wollte darin aber "nicht direkt ein Zeichen für Radikalisierung" sehen. Zur Rolle seines Bruders bei den Anschlägen in Paris sagte Mohamed: "Salah ist sehr intelligent. Er hat in letzter Minute kehrtgemacht". Salah sollte angeblich in Paris auch ein Selbstmordattentat verüben. Er zündete die Bombe aber nicht, sondern warf seinen Sprengstoffgürtel in einem Pariser Vorort in einen Mülleimer.

Welche Rolle Abdeslam bei den Anschlägen gespielt hat

Salah gilt als Logistiker bei den Anschlägen in Paris. Er soll Mietautos und Zimmer für seine Mitstreiter organisiert haben. Bei den Anschlägen soll er drei seiner Komplizen mit dem Auto vor dem Bataclan abgesetzt haben. Die Männer stürmten den Konzertsaal mit Kalaschnikows und töteten 89 Menschen.

Nach den Bluttaten von Paris und Saint Denis gelang es Salah Abdeslam, mit zwei Begleitern auf dem Weg nach Belgien unbehelligt eine Polizeikontrolle zu passieren. Danach konnte er sich offenbar lange Zeit unbehelligt in Belgien verstecken. Erst am vergangenen Dienstag waren ihm die Ermittler auf die Spur gekommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung in Brüssel kam es zu einer Schießerei, bei der ein Mann getötet wurde. In der Wohnung wurden später Fingerabdrücke und DNA-Spuren von Abdeslam gefunden. Die Behörden vermuten, dass Abdeslam einer der beiden Männer war, die bei dem Zugriff über die Dächer entkommen konnten.

Wie die Festnahme ablief

Salah Abdeslam, suspect of Paris terror attacks

Mit diesem Fahndungsfoto suchten die belgische und die französische Polizei wochenlang nach Salah Abdelslam.

(Foto: dpa)

Bei einer Großrazzia in Brüssel wurde Abdeslam dann am Freitag aufgespürt, bei einem Schusswechsel am Bein verletzt und schließlich festgenommen, gemeinsam mit vier weiteren Personen. Am Samstagmorgen wurde Abdeslam aus dem Krankenhaus entlassen und wird seitdem verhört. Die Anwältin von Salahs Bruder Mohammed sagte im belgischen Fernsehen, ihr Mandant wolle im Namen seiner Familie die Botschaft übermitteln, dass alle ein "Gefühl der Erleichterung" verspürten.

Die Wohnung, in der sich Salah versteckte, soll nach Informationen der belgischen Zeitung Le Soir der Mutter eines Freundes von ihm gehören. Dort wurden neben Abdeslam auch drei Mitglieder der Familie, die ihm Unterschlupf gewährt haben sowie ein weiterer Verdächtiger festgenommen. Er heißt Ahmed Alaaj, verwendete aber in der Vergangenheit auch den Aliasnamen Amine Choukri.

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Er wurde während der Razzia am Freitag verletzt. Ein Bekannter soll ihn Medienberichten zufolge verpfiffen haben.

Sowohl Frankreichs Präsident François Hollande als auch Belgiens Premier Charles Michel warnten jedoch, dass der Kampf gegen die Terrorzelle noch längst nicht vorbei sei. "Wir sind mit einem extrem großen Netzwerk konfrontiert", sagte Hollande Die Ereignisse der vergangenen Tage hätten jedoch gezeigt, dass die Zahl derjenigen, die die Anschläge vom 13. November "zugelassen, organisiert und ermöglicht" hätten, sehr viel höher sei als angenommen. "Wir haben vielleicht eine Schlacht gewonnen, aber den Krieg noch lange nicht", sagte Michel.

Wie es jetzt weitergeht

Die belgische Staatsanwaltschaft hat Abdeslam wegen Mittäterschaft an terroristischen Morden angeklagt. Auch gegen den mit ihm festgenommenen Alaaj sei diese Anklage erhoben worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Abdeslam will nach Angaben seines Anwalts mit den Ermittlern zusammenarbeiten. "Er kooperiert mit der belgischen Justiz", sagte sein Anwalt Sven Mary. Sein Mandant lehne aber die Auslieferung an Frankreich ab.