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Terror in Nizza:Attentäter soll Promenade in Nizza mit Lkw ausgekundschaftet haben

A French municipal policeman stands guard days after the Bastille Day truck attack by a driver who ran into a crowd on the Promenade des Anglais that killed scores and injured as many, in Nice

Die Promenade des Anglais am Sonntag.

(Foto: REUTERS)
  • Nach dem Lastwagen-Attentat in Nizza wurden zwei weitere Verdächtige festgenommen.
  • Die Ermittler gehen nun der Frage nach, ob der Täter Komplizen hatte. Er hätte laut Medienberichten eine SMS mit der Forderung nach mehr Waffen verschickt.
  • Er soll die Tat von langer Hand geplant und die Promenade ausgekundschaftet haben.
  • Eine etwaige Verbindung zum IS wurde von Seiten der Ermittler nicht bestätigt, die Terrormiliz bekennt sich aber zu dem mutmaßlichen Anschlag.

Der Anschlag in Nizza war offenbar genau geplant: Wie jetzt bekannt wurde, soll der 31-jährige Mohamed Lahouaiej Bouhlel vor seiner Tat zweimal mit dem Lastwagen am Anschlagsort gewesen sein. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreisen berichtete, sei der Attentäter am Dienstag und Mittwoch an die Strandpromenade des Anglais gefahren und habe diese ausgekundschaftet. Den Miet-Lkw, den er als Mordinstrument verwendete, habe er bereits am 4. Juli reserviert und am 11. Juli abgeholt.

Unklar ist weiterhin, wieviele Menschen von den Attentatsplänen gewusst haben. Wie die französischen Fernsehsender France 2 und BFMTV am Sonntag meldeten, soll einer der Männer, die inzwischen festgenommen wurden, mit dem Täter wegen Waffen in Kontakt gestanden haben. Lahouaiej-Bouhlel soll von diesem am Donnerstagabend kurz vor dem Anschlag per SMS "mehr Waffen" verlangt haben. Die Sender berufen sich auf Ermittlerkreise; eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.

Nach der Tat wurden seit Freitag insgesamt fünf Männer und zwei Frauen aus seinem Umfeld festgenommen. Eine der Frauen, seine frühere Ehefrau, wurde am Sonntag wieder freigelassen. Die ersten Vernehmungen sollen darauf hindeuten, dass er sich erst recht kurz vor der Tat dem radikalen Islam zuwandte. Er habe auch aufgehört, Alkohol zu trinken.

Derzeit werteten mehr als 200 Ermittler den Textnachrichtenverkehr des Tunesiers aus, hieß es am Sonntagabend.

Verbindungen zum IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte sich zu der Tat bekannt, trotzdem ist noch nicht gesichert, ob sie dahintersteht. Die dem IS nahestehende Nachrichtenagentur Amaq bezeichnete den Tunesier am Samstag aber als "Soldaten" des IS. Auch der französische Ministerpräsident Manuel Valls geht von einer Verantwortung des IS aus, sagte er der Zeitung Journal du Dimanche.

Lahouaiej Bouhlel stammte aus Tunesien. Er hatte seit Jahren in Nizza gelebt. Verwandte hatten gesagt, es habe keine Anzeichen gegeben, dass er radikalisiert gewesen sein könnte. Auch Ermittler betonten, Verbindungen des Mannes zu Extremisten seien nicht bekannt. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, der Attentäter müsse sich "sehr schnell radikalisiert" haben.

Der 31-Jährige war am Donnerstagabend in Nizza mit einem Kühllastwagen in eine Menschenmenge gerast, die auf der Promenade des Anglais das Feuerwerk zum französischen Nationalfeiertag beobachtet hatte. Mindestens 84 Menschen wurden getötet und mehr als 300 verletzt. Die Identitäten von 16 Toten sind noch nicht geklärt, 18 Verletzte weiterhin in Lebensgefahr.

© SZ.de/dpa/tamo/bavo/lalse
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