Die Türkei vermutet, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Selbstmord-Anschlag auf den Istanbuler Flughafen mit 42 Todesopfern und 239 Verletzten verantwortlich ist. Laut der Regierung starben mindestens 13 Ausländer; eine Deutsche wurde dem Auswärtigen Amt zufolge verletzt. Erste Hinweise deuteten auf den IS, sagte Premier Binali Yıldırım in der Nacht zum Mittwoch. Das Vorgehen der Täter erinnert an den Anschlag auf den Flughafen in Brüssel. Präsident Recep Tayyip Erdoğan forderte, das Attentat müsse ein Wendepunkt im Kampf gegen den Terrorismus sein. "Die Bomben, die heute in Istanbul explodiert sind, hätten in jedem Flughafen, in jeder Stadt auf der ganzen Welt detonieren können." Er erwarte, dass die Weltgemeinschaft eine "entschlossene Haltung" gegen Terrorgruppen einnehme.
Kurz vor 22 Uhr Ortszeit am Dienstagabend waren drei Angreifer mit einem Taxi vor dem internationalen Terminal vorgefahren. Mindestens einer schoss mit einer automatischen Waffe auf Fluggäste. An Istanbuls Flughafen, drittgrößter Europas mit 60 Millionen Passagieren pro Jahr, müssen diese am Eingang zur Abfertigungshalle eine erste Gepäckkontrolle passieren; dort entstehen oft Warteschlangen. Laut Regierungskreisen sprengte sich der erste Attentäter an der Sicherheitskontrolle beim Eingang in die Luft. Im Chaos gelangte der zweite Attentäter ins Gebäude und zündete seinen Sprengsatz in der Abflughalle. Ein dritter Attentäter habe sich vor dem Gebäude in die Luft gesprengt, als die Menschen nach außen flohen. Präsident Erdoğan kündigte an, sein Land werde die Terroristen bezwingen, unter anderem kurdische Rebellen und den IS. Die Terrorgruppen versuchten, die Türkei dabei aufzuhalten, zu den zehn stärksten Wirtschaftsnationen aufzusteigen und den weltgrößten Flughafen zu bauen. Der IS begann vor einem Jahr, die Türkei zu attackieren. Ankara revidierte damals seine ambivalente Haltung gegenüber islamistischen Extremisten, die in Syrien das Regime von Präsident Baschar al-Assad bekämpfen. Die Regierung machte die Grenzen weitgehend dicht und versucht, Netzwerke der Extremisten auszuheben. Ankara bezichtigt den IS fünf der 14 Terrorattacken seit Juni 2015, darunter den schwersten Anschlag der türkischen Geschichte mit mehr als 100 Toten in Ankara im Oktober und jenen auf Touristen in Istanbul im Januar, bei dem zwölf Deutsche umkamen. Der IS hat sich jedoch nicht zu den Taten bekannt. Für die anderen Attacken, meist auf Sicherheitskräfte, erklärten sich kurdische Separatisten verantwortlich. Der Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige, stürzte durch die Gewalt in eine tiefe Krise. Deutsche Veranstalter boten Kunden jetzt an, Istanbul-Reisen zu stornieren oder umzubuchen. Russische Urlauber, mit die wichtigsten Gäste, blieben aus, als der Kreml Sanktionen verhängte, weil die Türkei im November einen in Syrien stationierten russischen Kampfjet nach Luftraumverletzungen abschoss. Am Mittwoch telefonierten Erdoğan und Russlands Präsident Wladimir Putin erstmals seit sieben Monaten, zuvor hatte die Türkei den Abschuss bedauert und sich bei der Familie des getöteten Piloten entschuldigt. Putin stellte die Aufhebung der Sanktionen in Aussicht.