Terror in Dänemark "Sie wollten so viele Menschen wie möglich töten"

"Sehr ernste Bedrohung": Nach dem vereitelten Anschlag auf die Zeitung "Jyllands-Posten" zeigt sich Dänemark schockiert, aber beharrlich. Die Terrorverdächtigen wurden einem Richter vorgeführt.

Nachdem die dänischen Behörden offenbar in letzter Minute einen Terroranschlag in der Hauptstadt Kopenhagen verhindert haben, sind Entsetzen und Angst in dem skandinavischen Land groß. Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen sagte zur Festnahme der fünf mutmaßlichen Islamisten, es bestehe für sein Land eine "sehr ernste Bedrohung" durch Terroristen. Die Verdächtigen sollen in Verbindung mit internationalen Terrornetzwerken gestanden haben.

In Verbindung mit den Festnahmen in den Kopenhagener Vororten Herlev und Greve hat die dänische Polizei unter anderem eine Maschinenpistole mit Schalldämpfer gefunden, dazu Munition und Kabelbinder, die zum Fesseln von Händen benutzt werden können.

(Foto: dpa)

Trotz der konkreten Bedrohung hat der dänische Kronprinz Frederik am Mittwochabend das Verlagsgebäude der Zeitung Jyllands-Posten besucht, um dort einen Sportlerpreis zu verleihen. Die Redaktion des Blatts soll Ziel des vereitelten Anschlags gewesen sein. Der 42-jährige Thronfolger sagte dem Sender TV2 News bei seinem Eintreffen, er sehe in dem Besuch keine Gefahr. Jyllands-Posten hatte 2005 zwölf Karikaturen mit dem Propheten Mohammed veröffentlicht und damit eine massive Protestwelle in der islamischen Welt ausgelöst.

"Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen"

Am Mittwoch hatte die Polizei nach Angaben des dänischen Geheimdienstes in Dänemark und Schweden fünf mutmaßliche Terroristen festgenommen. Die aus der arabischen Welt stammenden Männer sollen kurz vor der Ausübung der Bluttat in der Zeitungsredaktion gestanden haben. "Nach unserer Überzeugung wollten sie so viele der dort arbeitenden Menschen wie möglich töten", sagte der Chef des dänischen Geheimdienstes PET, Jakob Scharf.

Vier der fünf Festgenommenen wurden am Donnerstag in Untersuchungshaft genommen. Es handelt sich um drei in Dänemark und einen in Schweden festgesetzten Mann. Sie alle bestritten die Vorwürfe. Der fünfte Verdächtige wurde freigelassen. Sprengstoff-Experten hatten in der Nacht zu Donnerstag seine Wohnung durchsucht und ein verdächtiges Paket sichergestellt, das sich allerdings als harmlos erwiesen habe. Er gilt aber nach Angaben des PET weiter als verdächtig. Nach Medienberichten soll er den anderen Männern bei der Anmietung einer Wohnung geholfen haben.

Ministerpräsident Rasmussen sagte in Kopenhagen, ungeachtet aller Gefahren dürfe die dänische Gesellschaft nicht ihre Offenheit verlieren. Grundwerte wie Demokratie und Meinungsfreiheit müssten davon unangetastet bleiben.

Auch der Karikaturist Kurt Westergaard, der mit seinen Mohammed-Zeichnungen den Hass der Islamisten auf sich gezogen hatte, mahnte Beharrlichkeit an. "Wir dürfen und werden uns Kritik am radikalen Islamismus nicht verbieten lassen. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen", sagte Westergaard der Bild-Zeitung. Der Zeichner der Jyllands-Posten war vor etwa einem Jahr von einem Islamisten aus Somalia überfallen und schwer verletzt worden.

Angriff stand kurz bevor

Der verhinderte Anschlag in Kopenhagen ist der zweite Terrorakt in Skandinavien innerhalb weniger Wochen: Bei einem Selbstmordanschlag am 11. Dezember in der schwedischen Hauptstadt Stockholm war nur der Attentäter gestorben, ein 28-jähriger Schwede irakischer Abstammung. Er hatte seine Tat unter anderem mit einer Mohammed-Karikatur des schwedischen Zeichners Lars Vilks sowie Schwedens Teilnahme am Afghanistan-Krieg begründet.

Der dänische Geheimdienstchef Scharf sagte, die Verdächtigen gehörten radikalislamistischen Kreisen an. In Verbindung mit den Festnahmen in den Kopenhagener Vororten Herlev und Greve fand die Polizei unter anderem eine Maschinenpistole mit Schalldämpfer, Munition und Kabelbinder, die zum Fesseln von Händen benutzt werden können. "Der Angriff sollte nach unseren Erkenntnissen in den nächsten Tagen durchgeführt werden", sagte Scharf.

In Kopenhagen nahm die Polizei einen 44-jährigen Tunesier, einen 29 Jahre alten Schweden libanesischer Herkunft sowie einen 30-jährigen Schweden zunächst noch unbekannter Herkunft fest. Sie waren erst in der Nacht zuvor mit einem Mietwagen aus Schweden über den Öresund nach Kopenhagen eingereist. Als einziger mit Wohnort in Dänemark gehörte ein 26-jähriger irakischer Asylbewerber zu der in Kopenhagen gefassten Gruppe. Nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau wurde zudem in Stockholm ein 37-jähriger Schwede tunesischer Abstammung festgenommen. Seine Rolle und die Hintergründe für die Festnahme blieben zunächst unklar.