Terror-Gefahr:Droht die größte Gefahr von Heimkehrern?

Generell gilt, dass die globale dschihadistische Bewegung in diesen Tagen stärker denn je zu sein scheint. Der Terrorismusforscher Peter Neumann, der Professor für Sicherheitsstudien am King's College in London ist, hat zusammen mit der BBC weltweit alle dschihadistischen Gewalttaten im November erfasst, die Bilanz: 5042 Tote, die große Mehrheit von ihnen sind Muslime. Fast die Hälfte der Opfer kam demnach aus Nigeria, Pakistan, Afghanistan und Jemen.

Was die Sicherheitsbehörden umtreibt, ist die Furcht vor einem Wettlauf der konkurrierenden Organisationen Islamischer Staat und al-Qaida um den spektakulärsten Anschlag. Der Sprecher des IS, Abu Mohammed al-Adnani, hatte vorigen Herbst seine Gefolgsleute erstmals aufgefordert, Europäer und Amerikaner zu ermorden: "Tötet sie, wie ihr wollt. Zertrümmert ihnen den Kopf, schlachtet sie mit einem Messer, überfahrt sie mit dem Auto, werft sie von einem hohen Gebäude."

"Ich wünschte, es gäbe ein Muster", sagt der Berliner Verfassungsschutz-Chef

Es hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Anschlägen gegeben, bei denen Einzeltäter so ähnlich vorgingen, wie Adnani es gefordert hatte. Al-Qaida ist in die Defensive geraten und könnte die Initiative durch spektakuläre Anschläge zurückgewinnen wollen. Droht also die größte Gefahr von den Heimkehrern oder von Einzeltätern, die sich selbst radikalisiert haben und die niemand auf dem Schirm hat?

Zehn Anschlagversuche, die alle scheiterten, hat es in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt gegeben. Nur ein Anschlag gelang. Der den Sicherheitsbehörden unbekannte kosovarische Muslim Arid U. ermordete 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten. Sicherheitsbeamte fürchten einen neuen, ähnlichen Fall.

Gefahr droht von kampferprobten, verrohten Syrien-Rückkehrern ebenso wie von Islamisten, die an der Ausreise gehindert wurden, oder alten Al-Qaida-Anhängern. Es ist diese Unübersichtlichkeit, die den Berliner Verfassungsschutz-Chef Bernd Palenda klagen lässt: "Ich wünschte, es gäbe ein Muster."

Dass mit Totalüberwachung von Gefährdern, wie von Teilen der Politik gefordert, der Gefahr beizukommen ist, glauben Sicherheitsbeamte nicht. Um nur einen Verdächtigen rund um die Uhr zu oberservieren, sind 25 bis 30 Beamte nötig. Das könnten Polizei und Verfassungsschutz nicht leisten. Gegen fast 800 Beschuldigte aus der Islamisten-Szene wird derzeit in Deutschland ermittelt. Der Dschihad ist ein Massenphänomen geworden.

Razzia gegen Islamisten in Berlin

Mitglieder eines Polizei-Sonderkommandos stehen in der Perleberger Straße in Berlin vor einem Mehrfamilienhaus.

(Foto: dpa)
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