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Autofahren:Tempolimit macht Spaß

Tempolimit 130

Die Koalition streitet sich wieder über das Thema Tempolimit.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Die Debatte um Tempo 130 spaltet die Koalition. Verkehrsminister Scheuer will von einer Kurswende nichts wissen. Schade.

Mit quietschenden Reifen ein Wendemanöver hinlegen, unter dem Applaus des Publikums, das wäre etwas gewesen. Aber wenn es um das Tempolimit geht, bleibt Verkehrsminister Andreas Scheuer stur auf dem Gaspedal. Nicht mal auf eine Debatte um Tempo 130 will er sich einlassen. Sein Argument lautet: "Wir sollten intelligent steuern."

Eben. Gerade deswegen wäre es klug, die Geschwindigkeiten auf den deutschen Autobahnen zu drosseln, den letzten Strecken in Europa, die freie Raserei erlauben. Gut, ein solches Tempolimit allein bewirkt nicht allzu viel für Klima - aber einiges eben schon. Auch passieren nur ein geringer Teil der Unfälle auf den Autobahnen - aber die, die dort passieren, sind eben wegen der hohen Geschwindigkeiten oft schwer. Aber diese kleinen Verbesserungen wären billig zu haben, der Austausch einiger Straßenschilder kostet nicht viel.

Wichtig aber wäre diese Geschwindigkeitsbegrenzung, weil sie ein erster, aber nötiger Schritt einer intelligenten Langfriststrategie sein könnte. Denn dann könnten weitere Schritte folgen: Wäre 130 europaweit das Limit - ergibt es dann Sinn, überhaupt Autos zuzulassen, die schneller fahren können? Wohl kaum. Statt den irrationalen Drang nach Tempo und PS zu befeuern, könnten Autobauer an Motoren bauen, die freundlicher für Verbrauch und Verbraucher wären. Ohnehin müssen von 2022 an intelligente Tempomaten in jeden Neuwagen eingebaut werden. Auch diese EU-Regel fährt in die richtige Richtung voraus, bleibt aber auf nicht einmal halber Strecke stehen. Denn sie stellt es dem Autofahrer frei, diese Geschwindigkeitsassistenten zu nutzen oder eben nicht. Das aber müsste Pflicht werden - denn nur so ließe sich ohne großen Kontrollaufwand sicherstellen, dass die Tempolimits, ob 30 km/h im Wohngebiet oder 130 auf der Autobahn, auch eingehalten werden.

Das würde nicht nur Unfälle verhüten, wäre gut fürs Klima - und hätte einen netten Nebeneffekt: Wären die Raser und die Drängler ausgebremst, die Straßen zu ihrem Rennkampfplatz machen, könnte Autofahren für die vielen anderen weit wenig stressig und sehr viel entspannter. Es könnte sogar wieder Spaß machen.

© SZ vom 27.12.2019/bix
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