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Tempo 30:Die Testfahrt des FJS

Die bestehenden Regelungen zu Tempolimits sind pervers.

Von Jan Heidtmann

Vor 30 Jahren hatte der Streit um die Tempo-30-Zonen seinen Höhepunkt erreicht. "Lieber schleichen als Leichen", formulierten die Befürworter, "Lieber tot als Tempo-Limit" die Gegner. Da setzte in München Franz Josef Strauß die Sonnenbrille auf und sich selbst in seinen BMW 524td. Der bayerische Ministerpräsident hatte "das Gesabbel über Tempolimit satt", inkognito wollte er die Reaktionen der Bürger erkunden. Das Ergebnis der Testfahrt, es fiel wunschgemäß schlecht aus: "Manche hupten", berichtete Strauß, "andere zeigten mir den Vogel."

Doch der Widerstand des Ministerpräsidenten war nur noch ein Rückzugsgefecht, längst testeten Städte wie Berlin und Hamburg das Tempolimit in ausgewiesenen Zonen; erste Studien zeigten, dass das Unfallrisiko dort drastisch sank, teilweise bis um die Hälfte.

Mit einiger Verzögerung scheint diese Erkenntnis nun auch im CSU-geführten Verkehrsministerium in Berlin angekommen zu sein: Minister Alexander Dobrindt will es Städten und Kommunen erleichtern, vor Schulen, Kindergärten und Altenheimen Geschwindigkeitsbeschränkungen auszuweisen- auch an Hauptverkehrsstraßen. Das ist ein guter Schritt. Denn bislang unterliegt die Regelung einer geradezu perversen Logik: Eine Tempo-30-Zone darf erst ausgewiesen werden, wenn der Bereich als Unfallschwerpunkt gilt.

© SZ vom 17.04.2015
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