Tempelberg in Jerusalem:Ultraorthodoxer beißt Polizisten

Die Polizei hatte zuvor ihre Einsatzkräfte in der Altstadt verstärkt. Tausende Juden hatten dort in der Nacht zum Sonntag den traditionellen Fasten- und Trauertag Tisha Beav begangen, mit dem der Zerstörung der beiden Jerusalemer Tempel in den Jahren 600 v. Chr. und 70 n. Chr. gedacht wird. Von den Tempeln, die sich auf dem Felsplateau - dem höchsten Heiligtum des Judentums - befinden, ist nur noch die Westmauer, die sogenannte Klagemauer, übrig.

Während dort tausende Juden beteten, versuchten jüdische Ultrareligiöse auch auf dem Felsplateau um die Al-Aksa-Moschee ihre Gebete zu verrichten. Nach der derzeit gültigen Regelung dürfen Juden und andere nicht-muslimische Besucher den Hügel - den die Juden Tempelberg und die Araber Al-Haram Al-Scharif (Edles Heiligtum) nennen - zwar besuchen, nicht aber dort beten. Grund dafür ist die Furcht vor interreligiösen Auseinandersetzungen.

Die Polizei teilte mit, ein junger jüdischer Mann mit Gebetsriemen habe am Sonntag versucht, das Felsplateau zu betreten. Die Aufforderung, die Lederriemen abzulegen, habe er ignoriert. Stattdessen habe er sich an einem Gitter festgehalten, Widerstand geleistet und einen Polizisten gebissen, bevor er festgenommen wurde.

Ultraorthodoxe Juden versuchen immer wieder, das Verbot im von Israel während des Sechs-Tage-Kriegs 1967 besetzten und später annektierten Ost-Jerusalem zu durchbrechen. Die UN erkennt die Annexion nicht an. Israel betrachtet Jerusalem als seine "unteilbare" Hauptstadt, während die Palästinenser den Osten der Stadt zur Hauptstadt eines eigenen Staates machen wollen.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen israelischer Polizei und Palästinensern um die Nutzung des Juden und Muslimen heiligen Tempelbergs. Ende Oktober wurde das Areal erstmals seit Jahren vollständig abgeriegelt, später aber wieder geöffnet. Aus Sorge vor Zusammenstößen wird jungen muslimischen Männern der Zugang zum Gebet auf dem Tempelberg regelmäßig untersagt.

Jordanien hatte aus Protest gegen die Gewalteskalation am Tempelberg im November seinen Botschafter für drei Monate aus Israel zurückberufen. Amman warnte die israelische Führung zugleich davor, die Regelungen für das Heiligtum in Frage zu stellen. Jordanien ist gemäß seinem 1994 mit Israel geschlossenen Friedensvertrag für die Verwaltung der heiligen Stätten in Ost-Jerusalem zuständig.

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