Teherans Atomprogramm USA warnen vor Angriff auf Iran

Klare Worte aus Washington: US-Verteidigungsminister Panetta bremst forsche Forderungen nach einem Militärschlag gegen Iran - und spricht über die begrenzte Wirkmächtigkeit einer solchen Aktion. Aus Teheran dringen martialische Töne.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta warnt vor den "unbeabsichtigten Konsequenzen" eines Angriffs auf die iranischen Atomanlagen. Der Pentagonchef sagte vor Journalisten in Washington, ein militärisches Vorgehen könne gravierende Auswirkungen auf die Region und auf die in dem Gebiet stationierten US-Soldaten haben.

War noch bis zum Sommer CIA-Chef, jetzt ist er Verteidigungsminister: Leon Panetta.

(Foto: AFP)

Eine Bombardierung der iranischen Atomanlagen verzögere das Nuklearprogramm Teherans höchstens um drei Jahre, meinte Panetta. Ein militärisches Vorgehen gegen das Ahmadinedschad-Regime sollte nur der letzte Ausweg sein. Der Minister forderte einen stärkeren wirtschaftlichen und diplomatischen Druck auf Iran.

Die USA diskutierten mit ihren Verbündeten wegen des jüngsten Iran-Berichts der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA über zusätzliche Sanktionen. Immer wieder hätten die USA klargemacht, dass es für sie unannehmbar sei, dass Iran Atomwaffen entwickle. Die IAEA wirft dem Land vor, an der Entwicklung von Kernwaffen gearbeitet zu haben. Demnach hat Iran unter anderem Sprengkapseln getestet, die für eine Atombombe geeignet wären. Außerdem seien Raketen für Atomsprengsätze vorbereitet worden.

Die in Wien ansässige Behörde schloss auch nicht aus, dass diese Arbeiten noch anhielten. In Israel wurde daher öffentlich über einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen diskutiert. Jerusalem schließt diese Option nicht aus.

Iran drohte derweil dem Westen im Falle eines Angriffs mit Vergeltungsschlägen. Mit "voller Kraft" und "eiserner Faust" werde sich sein Land verteidigen, kündigte Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei in einer von den staatlichen Medien übertragenen Rede an.

Während Israel, die USA, Frankreich und Deutschland als Konsequenz aus dem Bericht schärfere Strafmaßnahmen forderten, lehnte die UN-Veto-Macht China neue Sanktionen ab. "Wir glauben wie bisher, dass Dialog und Zusammenarbeit die einzigen zielführenden Wege sind, um die Frage des iranischen Atomprogramms richtig zu lösen. Druck und Sanktionen können den Kern des Problems nicht lösen", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Hong Lei. Zuvor hatte sich Russland ebenfalls gegen weitere Strafen ausgesprochen.

Für die Administration von US-Präsident Barack Obama gibt es eine zusätzliche unangenehme Nachricht. Die Regierung verliert ihren erfahrenen Nahost-Beauftragten Dennis Ross. Der 62-Jährige teilte mit, dass er im Dezember aus privaten Gründen zurücktreten werde. Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, würdigte die Verdienste des Topberaters. Ross habe unter anderem zu den "Architekten" von Iran-Sanktionen gezählt und wesentlich zu den amerikanischen Antworten auf den Arabischen Frühling beigetragen.

In einer vom Sender ABC veröffentlichten Mitteilung erklärte Ross, dass er sich ins Privatleben zurückziehen und sich stärker seiner Familie widmen wolle. Demnach wollte er eigentlich bereits nach zwei Jahren in der Obama-Administration gehen, blieb dann aber wegen der rasanten Entwicklungen in der Region fast ein Jahr länger auf dem Posten. Er freue sich, dass er während einer "Periode bisher einmaligen Wandels" im Nahost-Raum habe dienen können, sagte Ross, der offiziell den Titel eines "Spezialassistenten" Obamas trug.