Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst:Kaltes Kalkül

Jeder vierte Lehrer ist Angestellter, kein Beamter. Für sie haben die Arbeitnehmervertreter endlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit in allen Bundesländern gefordert - und sind eiskalt abgeblitzt bei den Finanzministern. Mit Streiks war kaum zu rechnen.

Ein Kommentar von Detlef Esslinger

Normalerweise ist es nach Tarifverhandlungen so: Arbeitgeber und Gewerkschafter stellen sich erschöpft vor die Mikrofone, haben aber noch die Kraft, das jeweils Erreichte und dessen Sinnfälligkeit zu preisen. Diesmal, nach dem Abschluss für die 800.000 Beschäftigten der Länder, war es anders. Vor allem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht eine schmerzliche Erfahrung: Manchmal ergeben Abschlüsse keinen Sinn, sondern spiegeln nur die Machtverhältnisse wider.

Jeder vierte Lehrer in Deutschland ist kein Beamter, sondern Angestellter. Deren Bezahlung regelt jedes Bundesland nach Laune und Kassenlage, und dies wollte die GEW in der Tarifrunde endlich ändern. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, in allen Bundesländern; das war ihr Ziel. Aber die Länder haben einfach Nein gesagt. Weil die Finanzminister ahnen: Die GEW wird es kaum zum Äußersten kommen lassen.

Das Äußerste, das wären Streiks - nicht tage-, sondern wochenlang. In den nächsten vier Wochen wären Lehrerstreiks aber ins Leere gelaufen. Die Osterferien stehen an. Und danach beginnt die Zeit der Abitur- und anderen Abschlussprüfungen. Wer da als Lehrer streikt, müsste schon mit dem Mut von Tataren ausgestattet sein. Das haben die Minister kalten Blutes in ihr Kalkül gezogen. Den Gewerkschaftern und Lehrern bleibt vorerst nur der Zorn.

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