Tamilen in Deutschland Proteste und Blockaden

Tamilen legen in Deutschland Bahnhof und Autobahn lahm. Am Frankfurter Hauptbahnhof fuhren zwei Stunden lang keine Züge.

Von Jonathan Stock

Aus Protest gegen den Bürgerkrieg in ihrer Heimat Sri Lanka haben Tamilen mehrere Bahnstrecken und Autobahnen in Deutschland blockiert. So legten Demonstranten am Sonntagnachmittag den Frankfurter Hauptbahnhof für mehr als zwei Stunden lahm.

Tamilen blockieren am Frankfurter Hauptbahnhof die Gleise. Für mehr als zwei Stunden lag der Zugverkehr lahm.

(Foto: Foto: dpa)

Hunderte Tamilen hatten die Gleise besetzt und sie erst nach zähen Verhandlungen mit der Polizei wieder geräumt. Auf Transparenten war zu lesen: "Krieg ohne Zeugen auf Sri Lanka - Stoppt das Massaker an den Tamilen." In Sprechchören riefen die Demonstranten: "Deutschland, Deutschland, hilf uns, hilf uns" oder auch "Wir wollen Frieden. Wir wollen einen eigenen Staat".

Unter den Teilnehmern der Protestaktion waren viele Familien mit kleinen Kindern. Tausende Reisende mussten Verspätungen und Umwege in Kauf nehmen. Da Frankfurt ein Knotenpunkt für den Bahnverkehr ist, hatte die Verspätung bundesweite Auswirkungen. Einem Bahnsprecher zufolge kam es zu schweren Behinderungen im Fern- und Regionalverkehr. Am späten Abend hatte sich der Zugverkehr nach seinen Angaben allerdings wieder normalisiert.

Am Sonntagabend blockierten mehr als 150 Demonstranten etwa eineinhalb Stunden lang die Autobahn 52 bei Ratingen, die von Düsseldorf in das Ruhrgebiet führt. In Düsseldorf war bereits am Samstag die Bahnstrecke nach Duisburg blockiert worden. Seit Wochen protestieren Tamilen auch in London gegen den Bürgerkrieg in ihrer Heimat.

"Die Proteste sind der Versuch der Diaspora auf die humanitäre Katastrophe aufmerksam zu machen, allerdings spielt das indirekt auch dem militärischen Kampf in die Hände", sagt Christian Wagner, von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin (SWP). Viele der Aktivisten unterstützten "finanziell und politisch" die Separatistenbewegung Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE). Politisches Ziel der LTTE ist die Errichtung eines eigenständigen Staates im Nordosten Sri Lankas.

In Deutschland leben mehr als 65.000 Tamilen. Die meisten wanderten in der Folge des Bürgerkrieges in Sri Lanka nach Deutschland ein. Die srilankische Botschaft in Berlin rechnet etwa 1000 von ihnen zu den Aktivisten der LTTE. Der deutsche Verfassungsschutzbericht 2007 geht von etwa 800 aus. Die Organisation wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Seit 2006 stehen die Befreiungstiger auf der EU-Liste terroristischer Organisationen. Das Bundesinnenministerium verweist aber darauf, dass sich die Anhänger der LTTE in Deutschland "auf propagandistische Aktivitäten und das Sammeln von Spendengeldern" konzentrierten. "Auch wenn Spendenaufrufe immer wieder mit humanitären Zwecken begründet würden, dürfte ein Teil des gesammelten Geldes der militärischen Logistik zugute kommen", heißt es.

Die Bedeutung der Geldbeschaffung machte der jetzt getötete LTTE-Führer Velupillai Prabhakaran in einer Videobotschaft zum traditionellen "Heldengedenktag" im November 2007 vor mehreren tausend Tamilen in Dortmund deutlich, als er sich für die finanzielle Unterstützung des "Befreiungskampfes" der LTTE bedankt hatte. SWP-Mann Wagner ist der Ansicht, dass die Proteste wenig Aussicht auf Erfolg haben: "Das hat in der Vergangenheit schon sehr wenig gebracht und in diesem Konflikt wird sich niemand mehr auf Seiten der LTTE schlagen. Im Vordergrund steht die Sorge um die Zivilbevölkerung."

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