Talkshows Islam geht immer

Brisanz und Ton der Debatten sind unverhältnismäßig.

Von Dunja Ramadan

Müsste man einen Titel für die deutsche Talkshow-Misere finden, wäre es wohl dieser: "Islam geht immer: aufstoßen, erbrechen, wiederkäuen". Anfang der Woche diskutierte Frank Plasberg in "Hart aber Fair" über Flüchtlinge und Kriminalität. Einige Tage später fragt Sandra Maischberger: "Sind wir zu tolerant gegenüber dem Islam?" Über alles darf und soll man sprechen, keine Frage - aber dann bitte in der nötigen Differenziertheit.

Was hängen bleibt sind Titel, die unverantwortlich und irreführend sind: "Beethoven oder Burka - Braucht Deutschland eine Leitkultur?" (Maischberger-Sendung vom Mai 2017). Viele behaupten, die AfD würde die Themen in deutschen Talkshows setzen. Doch das Erschreckende ist: Diese Themen sind deutlich älter als die AfD. Sie dominieren seit vielen Jahren schon die deutschen Medien, die damit geholfen haben, den Nährboden für das Gedankengut zu bereiten, das heute im Bundestag vertreten wird.

Die Brisanz und der alarmistische Ton der Debatten sind unverhältnismäßig. Es ist kein Wunder, dass der Durchschnittsdeutsche davon ausgeht, dass 20 Millionen Muslime in Deutschland leben - dabei sind es nur fünf Millionen. Diese Brisanz wünscht man sich, wenn es um Dringlicheres geht wie Wohnungsnot oder die Rente.