Süddeutsche Zeitung

Internationale Politik:Nicaragua bricht mit Taiwan

Lesezeit: 1 min

Das mittelamerikanische Land erklärt zugunsten von China alle diplomatischen Kontakte mit Taiwan für beendet und bekennt sich zu Pekings Ein-China-Doktrin.

Taiwan verliert einen weiteren Verbündeten in Lateinamerika: Nicaragua hat seine diplomatischen Beziehungen zu der ostasiatischen Inselrepublik für beendet erklärt und sich zu Pekings Ein-China-Doktrin bekannt. Auf der Welt gebe es nur ein China, teilte der Außenminister des mittelamerikanischen Landes, Denis Moncada, mit. Die Regierung der Volksrepublik sei die einzige legitime auf dem Gebiet Chinas, wovon Taiwan ein unveräußerlicher Teil sei. Der Grund für den Kurswechsel Nicaraguas ist noch unklar.

Taiwan zeigte sich "bestürzt" über den plötzlichen diplomatischen Seitenwechsel Nicaraguas und gab sich entschlossen, sein diplomatisches und technisches Personal aus Managua zurückzuziehen. Taiwan sei immer ein "treuer und verlässlicher Freund Nicaraguas" gewesen, teilte das Außenministerium in Taipeh mit. "Wir bedauern, dass die Regierung von Präsident Daniel Ortega die lange Freundschaft zwischen den Völkern Taiwans und Nicaraguas ignoriert." Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, waren zuvor Delegationen Chinas und Nicaraguas in der ostchinesischen Hafenstadt Tianjin zusammengetroffen, um den Wechsel zu besiegeln.

China sieht das demokratische Taiwan, das sich 1949 vom Festland abspaltete, als abtrünnige Provinz an und versucht, es international zu isolieren. Die 23 Millionen Einwohner zählende Inselrepublik sieht sich als unabhängig an. Mit seiner Ein-China-Doktrin erlaubt die kommunistische Führung in Peking keinem Land, Beziehungen sowohl mit der Volksrepublik als auch mit Taiwan zu unterhalten. Zuletzt drohte China erneut mit einer Eroberung Taiwans zur "Wiedervereinigung".

In den Jahren 2017 und 2018 hatten die lateinamerikanischen Staaten Panama, Dominikanische Republik und El Salvador zugunsten Chinas mit Taiwan gebrochen. Weltweit gibt es nur noch 13 Länder und der Heilige Stuhl, die Taiwan formal diplomatisch anerkennen - darunter vor allem kleine Pazifiknationen, Karibikinseln und Staaten in Lateinamerika. Viele Staaten wie Deutschland und die USA haben über informelle diplomatische Missionen Beziehungen zu Taipeh. Länder, die zuletzt die Seiten wechselten, erhofften sich offenbar von einem guten Verhältnis zur Volksrepublik China wirtschaftliche Vorteile. In Nicaragua ist seit 2007 die zunehmend autoritäre Regierung des früheren linken Revolutionärs Daniel Ortega an der Macht.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5484704
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/dpa/kler
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.