SZ-Europa-Atlas:So steht Deutschland in Europa da

Krankenhausbetten, Patente, Milchkühe: Hier liegt Deutschland im europäischen Vergleich ganz vorne. Was Bildung und Internetnutzung angeht, stehen andere freilich besser da. Der Europa-Atlas von SZ.de verrät, wie es um die Länder des Kontinents steht.

Von Martin Anetzberger

Die EU-Statistikbehörde Eurostat sammelt eine gewaltige Menge an Daten - die SZ.de erneut in den schon bestehenden interaktiven Europa-Atlas eingepflegt hat. Mit Hilfe der interaktiven Karte lassen sich alle europäischen Staaten und Regionen in verschiedenen Faktoren miteinander vergleichen (eine ausführliche Bedienungsanleitung finden Sie hier). Wie also steht Deutschland im Vergleich zu seinen Nachbarn da?

  • Bevölkerung

​Deutschlands Bevölkerung wuchs 2012 schneller. Auf jeweils 1000 Einwohner kamen 2,4 neue hinzu. 2011 lag dieser Wert noch bei 1,1. Von 2003 bis 2010 war die deutsche Bevölkerung noch stetig kleiner geworden. Zum Vergleich: Am stärksten wächst die Bevölkerung in Luxemburg (+23 je 1000 Einwohner), am deutlichsten schrumpft sie in Litauen (-10,6 je 1000 Einwohner).

Der Zuwachs in Deutschland im Jahr 2012 geht aber nicht auf einen Anstieg der Geburten zurück (natürliche Bevölkerungsentwicklung). Tatsächlich sterben in Deutschland seit Jahren mehr Menschen, als Kinder zur Welt kommen. Die Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt, liegt in Deutschland seit mehr als zehn Jahren im Schnitt unter 1,4. Rechnerisch müsste jede Frau 2,1 Kinder gebären, um die Bevölkerung langfristig auf einem konstanten Niveau zu halten. Allerdings erreichen nur Island, Irland, Frankreich und die Türkei Werte von knapp mehr als zwei Kindern pro Frau.

Die Ursache für das leichte Bevölkerungswachstum liegt also woanders: Menschen aus dem Ausland kommen nach Deutschland. Rechnet man Zu- und Auswanderer gegeneinander auf (Migrationssaldo), kamen 2012 je 1000 Einwohnern etwa fünf neue hinzu. Auch hier belegt Luxemburg die Spitzenposition (18,9), Irland verliert europaweit am meisten Menschen durch Abwanderung (-7,6).

  • Arbeit und Wohlstand

Deutschland konnte seine Arbeitslosenquote weiter reduzieren. Sie geht seit 2009 (7,7 Prozent) kontinuierlich zurück und erreichte 2013 einen Wert von 5,3 Prozent. Auch der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Menschen ohne Arbeit ging im zweiten Jahr in Folge zurück (von 47,7 auf 44,4 Prozent). Mit 7,9 Prozent ist die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland zwar nach wie vor höher als die Gesamtquote, doch auch sie fällt stetig.

Hinter Norwegen (3,4 Prozent), Österreich (4,3; Zahl von 2012), der Schweiz (4,4) und Island (5,4) belegt Deutschland bei der Arbeitslosigkeit den fünften Platz. Am schlimmsten ist die Situation in Mazedonien (29), doch auch in den krisengeplagten Südstaaten Spanien (26,4) und Griechenland (27,3) sieht es schlecht aus.

Zum Bruttoinlandsprodukt und dem kaufkraftbereinigten Netto-Einkommen gibt es in dem Datenwerk Europa-Atlas keine neuen Zahlen. Beim Netto-Einkommen stand Deutschland 2011 gut da: Platz drei hinter Österreich und Luxemburg. Oberbayern und Hamburg lagen hinter London auf Platz zwei und drei der einkommensstärksten Regionen. Beim Bruttoinlandsprodukt nahm Deutschland hingegen eine Position im Mittelfeld ein.

  • Bildung und Forschung​

Jahrelang führte Finnland die Statistik zu Hochschulabsolventen an. 2013 zog Irland mit einem Anteil von 41,5 Prozent an den Skandinaviern vorbei (40,5). Deutschland liegt mit 28,5 Prozent deutlich dahinter. Doch obwohl der Wert seit Jahren kontinuierlich ansteigt, bleibt Deutschland im Mittelfeld - weil auch andere Länder mehr Hochschulabsolventen hervorbringen, zum Beispiel Frankreich (32,1) und Spanien (33,3). Die Türkei bleibt trotz eines leichten Anstiegs in den vergangenen Jahren auf dem letzten Platz.

Auch bei den 18- bis 24-Jährigen mit keinem oder niedrigem Schulabschluss bleibt Deutschland im Mittelfeld. Ihr Anteil liegt bei knapp zehn Prozent. Seine Position als Spitzenreiter verteidigt Kroatien (3,7). Schlusslicht ist die Türkei mit 37,5 Prozent.

Zur Entwicklung der Patentanmeldungen gibt es seit dem vorangegangenen Europa-Atlas keine neuen Zahlen. Deutschland lag hier im Jahr 2009 an der Spitze - mit 280,8 Patenten pro 1 000 000 Einwohner, knapp vor Schweden mit 275,2.

  • Online

Eine gute Nachrich für die Informationsgesellschaft: Der Internet-Ausbau in Deutschland kommt weiter voran: 88 Prozent der deutschen Haushalte verfügten im Jahr 2013 über einen Internetanschluss - 97 Prozent davon sogar über einen Breitbandanschluss. Besser stehen allerdings die skandinavischen Länder und Holland sowie Luxemburg da.

Insgesamt ist ein deutliches Gefälle hin zu Ländern im Süden und Osten Europas festzustellen. Besonders düster sieht es in der Türkei aus. Dort hat nicht einmal jeder zweite Haushalt Zugang zum Internet.

Was die Internetnutzung betrifft, liegt Deutschland im oberen Mittelfeld. Hierzulande surfen 80 Prozent der Menschen mindestens einmal in der Woche im Internet. Wieder nehmen hier die nördlichen EU-Mitglieder sowie Holland und Luxemburg die Spitzenpositionen ein. In der Türkei gehen lediglich 40 Prozent der Menschen mindestens einmal pro Woche ins Internet.

  • Verkehr

Die Deutschen kaufen wieder mehr Autos. Hatte der Wert im Jahr 2009 mit 505 Autos pro 1000 Einwohner einen Tiefstwert erreicht, steigt die Zahl der Pkw seitdem wieder kontinuierlich an. 2012 besaßen 1000 Deutsche im Schnitt 523 Autos. Trotzdem liegt das Land von BMW, Audi, Mercedes und VW im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. Eine größere Autodichte haben von den erhobenen Ländern Liechtenstein (760), Luxemburg (661), Litauen (590), Italien (625; Zahl von 2011), Finnland (563), Zypern (549) und Österreich (542). Das führende Autofahrer-Bundesland ist übrigens das Saarland (589).

Was Lkw angeht, setzt sich der Trend nach oben fort. Von 2009 bis 2012 nahm die Anzahl der Laster in Deutschland von 2 347 000 auf 2 529 000 zu. Das ist ein Anstieg um etwa acht Prozent. Spanien belegt mit 4 985 000 Lkw den ersten Rang, allerdings sank diese Zahl im Gegensatz zu Deutschland seit 2008 um etwa vier Prozent. Lkw-Nationen sind auch Italien, Polen, Großbritannien, die Türkei und Frankreich.

Die Holländer verteidigen ihre Position als Autobahn-Weltmeister. Auf 1000 Quadratkilometer Fläche kommen dort 79 Kilometer Autobahn (Stand 2012). Dahinter folgen Luxemburg (59km) und Belgien (58km). Deutschland liegt mit 36 Kilometern pro 1000 Quadratkilometern Fläche deutlich dahinter, rangiert aber vor anderen Flächenländern wie Spanien (29), Frankreich (18; Zahl von 2011) und Großbritannien (15).

Zu den Verkehrstoten gibt es seit 2010 keine neuen Zahlen. Deutschland stand damals bei fallender Tendenz mit 4,9 Toten pro 100 000 Einwohner vergleichsweise gut da.

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