Kennedy ermordet! Der Präsident durch Schüsse von Attentätern in Texas niedergestreckt! So titelte die SZ am 23.11.1963. Auf den folgenden Seiten prangten bereits Porträts von Kennedy („ein glänzender, in der harten Schule höchster akademischer Zucht geschulter Geist“) und Nachfolger Johnson („ungewöhnlich gewandter parlamentarischer Taktiker“). Stimmungsberichte („Bestürzung in aller Welt“) und Einordnungen („die amerikanische Geschichte ist reich an Attentaten von politischen Wirrköpfen“) rundeten das Bild ab. Die Autoren dieser Artikel hatten gegen 21 Uhr am Vorabend die Attentatsmeldung erhalten, ihr erster Gang auf der Suche nach Hintergrundinformationen führte sie zu den Mitarbeitern des SZ-Archivs. Sie wurden – trotz später Stunde und höchster gebotener Eile – nicht enttäuscht. Teil der DNA der SZ ist immer auch ein eigenes Archiv gewesen. Im Verständnis, dass sich Texte tiefer, gründlicher, einfach besser schreiben lassen, je mehr Informationen man hat. So begann im Herbst 1945 auch die achtzigjährige Geschichte des SZ-Archivs. Komplett neu aufgebaut, mit viel Herzblut und vor allem mit dem Anlegen von Papierakten. So wuchs über Jahrzehnte die Basis des heutigen sagenumwobenen Archivkellers, der die Schätze kleinteiliger Sammelarbeit verwahrt; systematisch sortiert, schnell greifbar und hoffentlich noch lange fortbestehend. Wo stand die erste Rolltreppe Deutschlands? Chat-GPT schlägt Berlin vor, stattdessen war Köln etwas früher dran. Frühe und aktuelle Zitate von Friedrich Merz zur Frauenquote im Vergleich? Keine markanten Unterschiede. Heute helfen uns Pressedatenbanken, Suchmaschinen und KI-Assistenten, aber häufig auch der Archivkeller. Das bestmögliche Material für die Anforderungen der Redakteure zu beschaffen, ist weiterhin unsere Mission – im Geiste unserer Vorgänger aus der Kennedy-Zeit.
80 Jahre ArchivDie Schätze im Keller

Jens Potschka ist Teamleiter Redaktionsrecherche.
Illustration: Dirk SchmidtWann entstand die erste Rolltreppe Deutschland? Was denkt Friedrich Merz über die Frauenquote? Das Archiv der SZ weiß auf fast alle Fragen eine Antwort.
Von Jens Potschka
