Systemrelevanz:Alle werden gebraucht

Es ist Zeit, sich von dem Begriff der Systemrelevanz zu verabschieden. Er sorgt nur noch für eine Spaltung unter Eltern.

Ein Kommentar von Barbara Vorsamer

Systemrelevant ist ein Wort, das vor zwei Monaten keiner kannte - und das Eltern seither in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft spaltet. Doch solange sich der Begriff vor allem auf Beschäftigte im Gesundheitswesen und im Lebensmittelhandel bezog, war viel Solidarität zu spüren. Wer im Home-Office Kinder und Job jonglierte, applaudierte der Krankenschwester eher, als sie zu beneiden.

Doch seitdem wöchentlich mehr Branchen zu systemrelevanten erklärt werden, wächst das Unverständnis. Medien okay, aber wirklich auch der Moderedakteur? Reicht es, bei einem Stromanbieter angestellt zu sein, oder muss man an der Grundversorgung mitwirken? Zudem wird die Systemrelevanz in jedem Bundesland anders definiert und von jeder Betreuungseinrichtung unterschiedlich genau geprüft. Das führt dazu, dass sich inzwischen fast alle Eltern ungerecht behandelt fühlen und so mancher den Anwalt losschickt, um die eigene Systemrelevanz zu erstreiten.

Es ist daher Zeit, das Label über Bord zu werfen und zu einer solidarischen und für alle verständlichen Lösung zu kommen. Die gewohnten Buchungszeiten bekommt so schnell keiner zurück, es läuft auf stunden- oder tageweise Betreuung hinaus. Doch die steht dann allen zu. Denn gespalten ist die Gesellschaft an anderer Stelle schon genug.

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