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Syrischer Flüchtling in Deutschland:In meinem Land haben Hunde keinen Namen

Ein Freund übersetzte mir eine Unterhaltung zwischen zwei Deutschen. Einer sprach über das Übergewicht seines Hundes, aber auch darüber, wie klug und gewitzt der Hund sei. Mein Freund hätte schwören können, dass der Hund auch einige deutsche Worte buchstabiert haben soll. Ob es dem Hund wohl möglich wäre, mir den Gebrauch des für mich unverständlichen deutschen Akkusativs beizubringen?

Wenn man eine Deutsch Person fragt, was ihn so sehr an seinem Hund begeistert, dann antwortet der Mensch: "Er ist sehr loyal, er betrügt dich nicht, er lügt nicht, er ist niemals sauer auf dich, er ist treuer als ein Mensch." Hilfe, denke ich dann immer, kann der Besitzer nicht einfach sagen, dass es unterhaltsam ist, ein Haustier zu haben?

Ich weiß viel über Deutsche und ihre Hunde, aber wenig über deutschen Humor

Kurz darauf traf ich einen Deutsch Mann, der mir ein Foto seines Hundes auf dem Smartpohne zeigte. Der Hund war richtig schön, und eine Sekunde dachte ich, ich könne einen Scherz machen: "Hey, cooles Selfie, wow, dein Hund ist klug genug, ein Selfie zu machen!" Ich unterließ es - nach fünf Monaten in Deutschland weiß ich bereits viel über Deutsche und ihr Verhältnis zu Hunden, aber kaum etwas über den deutschen Humor.

Vor ein paar Wochen wurde einer der glücklichen Immigranten, die nun in Deutschland leben, von einem Hund gebissen. Ich sah es auf einem Foto im Web. Er war wirklich sehr glücklich, denn er erwähnte, dass er 40 000 Euro als Entschädigung bekommen habe. Am darauffolgenden Tag waren auffällig viele junge Männer um den Platz, an dem er verletzt wurde, und hofften - natürlich für viel Geld - von seinen goldenen Zähnen gebissen zu werden.

In meinem Land, das es eigentlich gar nicht mehr gibt, haben Hunde keinen Namen. Oder - sagen wir, alle haben einen Namen: "Poppy". Unsere Hunde sind in dem Land, das es nicht mehr gibt, leider überhaupt nicht lieblich, sie sind sehr wild geworden. Sie ernähren sich schon seit Jahren von menschlichen Überresten - aber nur von denen, die auf den Straßen liegen oder nicht tief genug in der Erde begraben sind.

Tausende Euro für komplizierte Hunde-Operationen

Einige der Neuankömmlinge aus meiner alten Heimat fragte ich, ob sie auch so einen süßen Haushund wie viele Deutsche haben wollen. "Ach, warum nicht?", sagten einige, doch wollten sie alle zuerst "ein eigenes Haus, genug Essen für die Familie" haben.

Gelesen habe ich, dass es in Deutschland viele Friedhöfe für Hunde gibt, und dass es viele Menschen gibt, die bereit sind, Tausende Euro auszugeben, um ihren kranken Hunden komplizierte Operationen kaufen zu können. Ich weiß nicht, ob es sich schickt, in einer deutschen Zeitung darauf hinzuweisen, dass viele meiner Landsleute ihre Kinder verloren haben, weil sie sich die Behandlungskosten nicht leisten konnten.

Übersetzung: Jasna Zajcek

© SZ.de/pamu
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