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Syrische Flüchtlinge:Vorhut einer Tragödie

Es bahnt sich die größte humanitäre Katastrophe an, seit der Arabische Frühling vor anderthalb Jahren begonnen hat. Im Westen jedoch überwiegt die Meinung, dass sich die Parteien nun auskämpfen würden. Wer aber den Krieg eindämmen will, muss jetzt helfen.

Stefan Kornelius

Der Kampf um Aleppo hat Flüchtlinge in ungeheurer Zahl in Bewegung gesetzt - 200.000 Menschen sollen allein aus dieser Stadt entkommen sein. Zehntausende mehr sind gefangen in ihren Häusern, vermutlich ohne Wasser und Essen. Hier bahnt sich die größte humanitäre Katastrophe an, seit die arabische Freiheitsbewegung vor anderthalb Jahren ihren Anfang genommen hat.

Allein: In diesen anderthalb Jahren hat sich auch viel zu viel Resignation breitgemacht bei jenen, die eigentlich helfen müssten. Der Westen hat sich mit Russland bei der Suche nach einer politischen Lösung verhakt und zeigt sich nun erschöpft. Es überwiegt die Meinung, dass die verfeindeten Fraktionen sich nun auskämpfen würden - danach sehe man weiter. Diese Sicht ist nicht nur zynisch, sie ist auch gefährlich.

Denn die Flüchtlinge, die nun jenseits der syrischen Grenzen Schutz suchen, tragen den Konflikt in sich. Sie kommen als Vorhut einer Tragödie. Syriens Religions- und Volksgruppen leben dies- und jenseits der Landesgrenzen, sie lassen sich nicht von den in postkolonialer Fürsorge willkürlich gezogenen Linien beeindrucken.

Flüchtlinge tragen den Unfrieden nach Irak, Jordanien ist schon jetzt überfordert mit den Spannungen im eigenen Land, in Libanon fehlt nur ein Funke zur Explosion. Wer den Krieg eindämmen will, muss jetzt helfen. Da kann sich auch Russland nicht verweigern.

© SZ vom 31.07.2012/mkoh

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