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Syriens Diktator:Assad will wieder bei Präsidentenwahl antreten

Diese Konkurrenz zwischen den Rebellen um Ressourcen - so die Studie - führe dazu, dass die Milizenführer ein ökonomisches Interesse an der Fortsetzung des Kriegs entwickelten und der Aussicht auf Frieden wenig abgewinnen könnten. Es entstünden unabhängige Machtzentren, die den Zerfall von Assads Zentralstaat noch vorantrieben. "Komplett neue Wirtschaftsnetze entstehen - häufig im illegalen Bereich - und neue Gruppen und Personen kommen an die Macht, während die traditionelle Unternehmerklasse an Bedeutung verliert", heißt es über den sich entwickelnden Mafiastaat im Rebellengebiet.

Die ECFR-Studie geht davon aus, dass der Niedergang der syrischen Wirtschaft nach drei Kriegsjahren total ist. Selbst wenn Syrien nach Kriegsende fünf Prozent Wachstum pro Jahr erreichen könnte, würde es fast 30 Jahre dauern, bis es die Wirtschaftskraft von 2010 wiedererlangt - und Syrien zählte schon damals zu den ärmeren arabischen Staaten.

150 000 Tote seit Kriegsbeginn

All dies scheint Assad nicht zu beeindrucken. Im Gespräch mit seinem Besucher aus Moskau, Ex-Premier Stepaschin, spottete er sogar über den gestürzten Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch. Er, Assad, werde nicht vor der Opposition in seinem eigenen Land fliehen, er werde seinen Platz nicht räumen. Assad hat bereits angekündigt, dass er bei den Präsidentenwahlen wieder antreten will - und er hat das Wahlgesetz so umgestalten lassen, dass einem Wahlsieg kaum etwas in die Quere kommen dürfte.

Es verwundert nicht, dass Assad ausgerechnet einen Russen bat, der Welt seine Botschaft vom angeblich bevorstehenden Sieg in einem Krieg mit bisher schon 150 000 Toten zu verbreiten. Moskau ist zusammen mit Teheran der zuverlässigste Partner Assads. Auch der dritte Bundesgenosse, der libanesische Schiitenführer Hassan Nasrallah, meldete sich pflichtschuldig zu Wort. Er erklärte, es bestehe keine Gefahr mehr, dass Assad fällt. Nasrallah sagte der Zeitung Al-Safir, auch der Zerfall Syriens drohe nicht mehr. Seine Hisbollah-Miliz kämpft in Syrien an Assads Seite und hat viel zu dessen Siegen beigetragen.

© SZ vom 09.04.2014/mane
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