Syrien:Vernichtung von Chemiewaffen soll im Januar beginnen

Die OPCW kämpft in der ganzen Welt gegen chemische Kampfstoffe. Generaldirektor Üzümcü nimmt als Auszeichnung dafür heute den Friedensnobelpreis entgegen. In der Begründung des Komitees wird Kritik an den USA laut - dem Land, das im Januar mit der Vernichtung des syrischen Giftgasbestands beginnen soll.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erwartet, dass die Zerstörung des syrischen Giftgasarsenals noch im Januar beginnen kann. Er hoffe, dass die Vernichtung der Bestände auf einem US-Spezialschiff bis Ende Januar aufgenommen werden könne, sagte OPCW-Generaldirektor Ahmet Üzümcü in Oslo, wo die Organisation am Dienstag den Friedensnobelpreis erhält.

Die syrische Führung hatte sich im September verpflichtet, ihre Chemiewaffen zerstören zu lassen, um einen drohenden US-Militäreinsatz abzuwenden. Washington hatte Damaskus zuvor für einen Giftgasangriff nahe der Hauptstadt verantwortlich gemacht. Experten der OPCW hatten Anfang Oktober damit begonnen, die in Syrien lagernden C-Waffen zu erfassen und zu versiegeln.

Nach einer von den USA und Russland erzielten Vereinbarung sollen die Waffen außer Landes gebracht und bis spätestens Mitte 2014 zerstört werden - insgesamt etwa 1290 Tonnen Kampfstoffe, darunter Sarin, Senfgas und das Nervengas VX. "Hunderte Tonnen" der gefährlichsten Stoffe sollen direkt auf einem von der US-Marine bereitgestellten Spezialschiff zerstört werden, das derzeit für den Einsatz vorbereitet wird.

Den Friedensnobelpreis erhält die OPCW erhält wegen ihres beharrlichen Einsatzes für die Zerstörung von Chemiewaffen. Die OPCW kontrolliert weltweit die Produktion, Lagerung und Zerstörung von Chemiewaffen. Sie wurde am 29. April 1997 gegründet, um die Umsetzung der internationalen Chemiewaffenkonvention zu überwachen, die im selben Jahr in Kraft getreten war. Der Organisation gehören insgesamt 190 Staaten an.

"Ich fühle mich wirklich privilegiert und geehrt", sagte Generaldirektor Ahmet Üzümcü. Zur Preisverleihung im Rathaus der norwegischen Hauptstadt ist Üzümcü mit mehreren Mitarbeitern der Organisation angereist.

Schon lange vor der Syrien-Krise habe eine Vergabe an die Giftgas-Zerstörer die norwegische Nobeljury beschäftigt, sagte der Komitee-Vorsitzende Thorbjörn Jagland kurz vor der Zeremonie - auch, weil Abrüstung in Alfred Nobels Testament eine prominente Rolle spiele.

Chemiewaffenfreie Welt noch fern

Doch auch nach dem Ende der Syrien-Mission liegt das Ziel einer ganz chemiewaffenfreien Welt noch in einiger Ferne. "Manche Staaten sind immer noch keine OPCW-Mitglieder", heißt es mahnend in der Begründung des diesjährigen Friedensnobelpreises. "Einige Staaten haben die Deadline nicht beachtet, die für April 2012 festgesetzt war, ihre Chemiewaffen zu zerstören. Dies gilt insbesondere für die USA und Russland."

Der Friedensnobelpreis ist der einzige Nobelpreis, der an Alfred Nobels Todestag in Oslo überreicht wird. Alle anderen Auszeichnungen - für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaftswissenschaft - verleiht Schwedens König Carl XVI. Gustaf in Stockholm. Im vergangenen Jahr hatte die EU den mit acht Millionen schwedischen Kronen (derzeit knapp 900.000 Euro) dotierten Friedensnobelpreis bekommen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB