Syrien:USA entziehen Kurden den Schutz

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Präsident Trump holt die amerikanischen Truppen aus Nordsyrien zurück und macht damit den Weg frei für einen Einmarsch der Türkei. Die EU warnt vor "massiven Vertreibungen".

Von Paul-Anton Krüger

US-Präsident Donald Trump hat überraschend den Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien angeordnet und damit den Weg frei gemacht für einen Einmarsch der Türkei. Vorangegangen war ein Telefonat mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan, wie das Weiße Haus mitteilte. Die Gebiete an der Grenze zur Türkei werden überwiegend von den mit den USA verbündeten kurdischen YPG-Milizen kontrolliert, die im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat die Hauptlast getragen haben. Die Türkei betrachtet sie als syrischen Ableger der PKK, die sie als Terrorgruppe bekämpft.

Erdoğan will eine Sicherheitszone einrichten, die mehr als 30 Kilometer auf syrisches Gebiet reicht. Dort sollen dann syrische Flüchtlinge aus der Türkei angesiedelt werden. US-Regierungsvertreter sagten, dem überwiegend aus kurdischen YPG-Einheiten bestehenden Milizenbündnis Syrische Demokratische Kräfte (SDF) sei mitgeteilt worden, dass die USA es nicht verteidigen werden. US-Soldaten verließen Stellungen in den Orten Tel Abjad und Ras al-Ain, die an der Grenze zur Türkei liegen. Ihre Präsenz hatte bislang einen Einmarsch verhindert. Kurdische Einheiten hatten sich auf Drängen der USA bereits von der Grenze zurückgezogen. Damit wollte die US-Regierung den Sicherheitsbedürfnissen der Türkei entgegenkommen und zugleich einen Einmarsch verhindern.

Trump verteidigte seine Entscheidung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die Kurden hätten an der Seite Amerikas gekämpft, dafür aber viel Geld und Militärausrüstung erhalten. Die Türkei, Europa, Syrien, Iran, Irak, Russland und die Kurden sollten die Situation nun klären. Die USA müssten die "lächerlichen, endlosen Kriege" beenden und ihre Soldaten heimholen.

Im Januar hatte Trump der Türkei mit "wirtschaftlicher Zerstörung" gedroht, sollte sie die Kurden attackieren. Nachdem in den USA auch Republikaner Trumps Entscheidung massiv kritisierten, bekräftigte er diese Drohung auf Twitter, sollte die Türkei gewisse nicht näher ausgeführte Limits überschreiten. Die Autonomieverwaltung in Nordsyrien warnte, ein Angriff der Türkei könnte "katastrophale Folgen" haben. "Wir werden unser Recht auf Selbstverteidigung nutzen", hieß es, ein SDF-Sprecher kündigte an, die Verteidigung des eigenen Volkes müsse künftig Vorrang haben vor der Bekämpfung der Terrormiliz IS.

Die EU warnte die Türkei, weitere Kämpfe würden "das Leiden der Zivilbevölkerung verschlimmern und zu massiven Vertreibungen führen". Die Bundesregierung zeigte sich besorgt. Laut den UN leben etwa 750 000 Zivilisten in den Gebieten, die nach Erdoğans Vorstellungen zur Sicherheitszone gehören sollen.

Das Weiße Haus begründete den Abzug auch damit, dass Deutschland und andere europäische Staaten sich geweigert hätten, inhaftierte ausländische IS-Kämpfer zurückzunehmen. Die USA würden sie nicht auf Steuerzahler-Kosten festhalten. Die Türkei werde jetzt die Verantwortung für sie übernehmen. Allerdings halten bislang die Kurden diese Dschihadisten in Haft, nicht die USA.

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