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Syrien und Irak:Sturm auf IS-Städte

Die syrische Armee befreit die antike Stätte Palmyra und will jetzt die Dschihadisten-Hochburg Raqqa zurückerobern. Die Terrormiliz gerät auch im Irak unter Druck.

Die antike Oasenstadt Palmyra in Syrien ist offenbar weniger stark beschädigt als befürchtet. Nachdem die syrische Armee die Stadt am Wochenende von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zurückerobert hatte, begannen Experten am Montag mit der Begutachtung der Zerstörungen. Der antike Baal-Tempel liegt in Trümmern, der Großteil der Stätte scheint aber intakt zu sein. Der Direktor der syrischen Altertümerverwaltung, Maamun Abdulkarim, zeigte sich zuversichtlich, dass die beschädigten Bauten mit Hilfe der Vereinten Nationen innerhalb von fünf Jahren restauriert werden können. Kampfmittel-Räumdienste begannen damit, Minen und Sprengfallen in den Wohngebieten Palmyras und in dem zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden historischen Teil der Stadt zu beseitigen.

Der syrischen Armee war es nach wochenlangen Kämpfen mithilfe der russischen Luftwaffe und der libanesischen Hisbollah-Miliz gelungen, Palmyra vollständig vom IS zurückzuerobern. Die Dschihadisten zogen sich nach Osten und Norden in ihre Hochburgen Suchnah, Raqqa und Deir Essor zurück. Die Wohnbezirke in der Neustadt von Palmyra waren am Montag nahezu menschenleer, viele Häuser sind zerstört. Vor dem Krieg lebten dort etwa 70 000 Menschen. Ein Bewohner sagte der Nachrichtenagentur AP, der IS habe alle Zivilisten in andere von ihm kontrollierte Gebiete gebracht, bevor die Regierungstruppen die Stadt erreicht hätten.

Der IS hatte Palmyra vor zehn Monaten erobert. In den folgenden Monaten schockierte die Miliz die Welt mit Hinrichtungen in den Ruinen der Stadt sowie mit der Zerstörung zweier bedeutender Tempel, des berühmten Triumphbogens und zahlreicher Grabmäler. Der Verlust von Palmyra gilt nun als schwere militärische Niederlage für die Dschihadisten-Miliz und als Prestige-Erfolg für das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Es kann sich jetzt als Bollwerk gegen den Terrorismus präsentieren. Die syrische Opposition wirft dem Präsidenten vor, mit seinem Erfolg in Palmyra seine Verantwortung für den Bürgerkrieg in seinem Land verschleiern zu wollen. "Die Regierung will durch diese Operation das Wohlwollen westlicher Nationen gewinnen, indem sie den Terrorismus bekämpft", sagte Oppositionsvertreter Chaled Nasser, dessen Koalition in Genf über eine Friedenslösung verhandelt. Assad habe jedoch selbst zur Ausbreitung des Terror beigetragen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte die Vertreibung des IS aus Palmyra. Er fühle sich ermutigt und glücklich, sagte er in Jordanien. Die Terroristen hätten nicht nur gemordet, sondern auch menschliche Zivilisation zerstört. Der syrische Präsident Baschar al-Assad lobte die Rückeroberung als "Beweis der Effizienz" seiner Armee. Der russische Staatschef Wladimir Putin gratulierte Assad, der sich für die russische Hilfe bedankte. Die Armee will nun von Palmyra aus den IS weiter schwächen und dessen Hochburg in Syrien, Raqqa, sowie Deir Essor angreifen. Auch im Irak steht der Islamische Staat unter Druck. Die irakische Armee und verbündete Milizen sind in der Provinz Ninive in der Offensive, um die Provinzhauptstadt Mossul zurückzuerobern, die wichtigste Stadt des IS im Irak.