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Syrien und Irak:Kurden drängen Terrormiliz zurück

Anwohner des türkischen Grenzortes Mursitpinar blicken auf die umkämpfte Grenzstadt Kobanê.

(Foto: AFP)
  • Kurdische Kämpfer haben nach eigenen Angaben die nordirakische Stadt Sumar aus den Händen der Terrormiliz IS zurückerobert. Auch aus der Stadt Dschurf al-Sachar sollen IS-Kämpfer vertrieben worden sein.
  • In der syrischen Kurdenenklave Kobanê geraten die IS-Terroristen zunehmend in Bedrängnis.
  • Weiter offen ist, wann 200 angekündigte irakisch-kurdische Peschmerga-Kämpfer zur Unterstützung der syrisch-kurdischen Einheiten nach Kobanê kommen.

Nordirakische Stadt Sumar zurückerobert

Kurdische Kämpfer haben nach eigenen Angaben die nordirakische Stadt Sumar aus den Händen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zurückerobert. Den Kämpfern sei es gelungen, die Extremisten aus dem Zentrum von Sumar und elf umliegenden Dörfern zu vertreiben, teilte der Peschmerga-General Karim Atuti mit.

Unterstützt wurden die kurdischen Kämpfer durch Luftangriffe der USA und anderer westlicher Verbündeter. Sie flogen alleine 22 Angriffe im Irak, außerdem bombardierten sie IS-Stellungen nahe Kobanê in Syrien.

Die Stadt Sumar liegt rund 60 Kilometer nordwestlich der vom IS im Juni eingenommenen Millionenstadt Mossul. Die Kurden hatten Sumar nach dem Rückzug der irakischen Armee zu Beginn der IS-Offensive besetzt, im August war die Stadt aber von IS-Kämpfern überrannt worden und die Kurden mussten sich in die autonome Kurdenregion im Nordirak zurückziehen. Sollte es den Kurden gelingen, die Stadt zu halten, würde ihnen das den Vormarsch nach Sindschar erleichtern. Dort belagern IS-Kämpfer Angehörige der Glaubensgemeinschaft der Jesiden, die sich auf einen Bergzug geflüchtet hatten.

Stadt bei Bagdad offenbar ebenfalls zurückerobert

Nach Angaben des irakischen Militärs soll der IS auch aus der Stadt Dschurf al-Sachar südlich von Bagdad vertrieben worden sein. Die radikal-sunnitischen IS-Kämpfer seien in benachbarte Dörfer geflohen, so das irakische Militär. Bei der Aktion sollen 67 Soldaten und schiitische Freiwillige sowie 300 IS-Mitglieder getötet worden sein. Einem Bericht des US-Senders CNN zufolge lobte der irakische Premierminister Haider al-Abadi die Aktion als "schweren Schlag gegen die Terrororganisation".

Ein Sieg der Regierungstruppen in dem Ort, der 60 Kilometer südlich der Hauptstadt liegt, würde das Vorrücken des IS auf Bagdad stoppen. Zudem wären die Verbindungen der Islamisten zu ihren Hochburgen in der westlichen Provinz Anbar unterbrochen.

Bodengewinne in Kobanê

In Syrien melden die syrisch-kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) ebenfalls Bodengewinne im Kampf gegen den IS. Am Rande der Kurdenenklave Kobanê sei der strategisch wichtige Hügel Tell Schair zurückerobert worden, teilten kurdische Aktivisten mit. Erst vor wenigen Tagen hatten IS-Einheiten einen etwa drei Kilometer langen Korridor vom Hügel bis zur Stadtgrenze eingenommen.

Der Korridor diente den kurdischen Verteidigern unter anderem als Landestreifen für die von US-Flugzeugen abgeworfenen Waffenlieferungen an Kurden sowie als Pufferzone zum Grenzübergang in die Türkei.

Wann Verstärkung kommt, ist unklar

Dem Kampf um Kobanê wollen sich auch 200 irakisch-kurdische Peschmerga anschließen. Wann diese eintreffen, ist aber noch unklar. Das Peschmerga-Ministerium in der Autonomieregion Kurdistan in Erbil dementierte Berichte, wonach sich 150 Soldaten bereits am Sonntag auf den Weg machen wollen.

Die Peschmerga sollen vom Irak über türkisches Territorium nach Syrien einreisen. Die türkische Führung in Ankara hat die nötige Erlaubnis dafür bereits erteilt.

Der syrische Bürgerkrieg verschlechtert auch die Lage im Libanon immer weiter. Erneut gab es heftige Kämpfe zwischen der Armee und radikal-islamischen Bewaffneten in der nördlichen Stadt Tripolis. Dabei sei ein Zivilist ums Leben gekommen, berichtete die staatliche Nachrichtenangentur NNA. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien gibt es auch im benachbarten Libanon immer wieder Zusammenstöße zwischen sunnitischen Aktivisten und Alawiten. Die Sunniten sympathisieren mit den syrischen Rebellen, die Alawiten unterstützen die Führung um Staatschef Baschar al-Assad.

Russland lehnt Engagement im Kampf gegen IS ab

Russland lässt sich von den USA unterdessen nicht zu einem stärkeren Engagement gegen IS bewegen. Äußerungen von US-Außenminister John Kerry, wonach Russland bei der Ausbildung der irakischen Truppen für den Kampf gegen den IS helfen wolle, wies der russische Außenminister Sergej Lawrow zurück. "Es gab keine Übereinkunft, wonach wir Ausbilder in den Irak schicken", sagte er dem Sender Rossija-1. Es werde auch keine engere Zusammenarbeit der Geheimdienste Russlands und der USA zur Bekämpfung des IS geben, machte Lawrow deutlich.