Krieg in Syrien Flüchtlinge sterben bei Kämpfen an der syrisch-türkischen Grenze

Die türkische Artillerie feuert in Richtung Nordsyrien während Gefechten unweit der Grenzstadt Kilis (Archivbild vom 15. Februar).

(Foto: picture alliance / AP Photo)
  • Am Donnerstag sind bei Kämpfen in Syrien angeblich mindestens zwei Flüchtlinge nahe der türkischen Grenze gestorben.
  • Seit Tagen gibt es dort schwere Gefechte zwischen syrischen Rebellen, der IS-Terrormiliz und kurdischen Kämpfern.
  • Ankara hatte entschieden, Flüchtlinge nur noch jenseits der eigenen Grenze mit dem Nötigsten zu versorgen.
Von Mike Szymanski, Istanbul, und Paul-Anton Krüger

Im türkisch-syrischen Grenzgebiet spitzt sich die Lage für Tausende Flüchtlinge zu. Seit Tagen gibt es dort schwere Gefechte zwischen Einheiten der syrischen Rebellen, der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und kurdischen Kämpfern. Am Donnerstag sollen dabei mindestens zwei Flüchtlinge, denen die Türkei die Einreise verwehrt hatte, in einem Camp auf der syrischen Seite der Grenze ums Leben gekommen sein. Es soll zudem Verletzte gegeben haben.

Ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation IHH, die die Flüchtlinge versorgt, sagte der Süddeutschen Zeitung, es habe sich um einen gezielten Angriff des IS gehandelt. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete ebenfalls unter Bezug auf regionale Quellen von einer IS-Attacke. Eine unabhängige Bestätigung gab es zunächst nicht.

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Der IS hat in der Gegend mehrere Dörfer von den Rebellen erobert. Sollte er gezielt Flüchtlingslager attackieren oder diese zwischen die Fronten geraten, dürfte dies die türkische Regierung erheblich unter Druck setzen. Seit Wochen verweigert sie Zehntausenden Syrern die Einreise über den Grenzübergang nahe der türkischen Stadt Kilis. Das Land hat nach eigenen Angaben knapp drei Millionen Flüchtlinge aufgenommen und fühlt sich zunehmend überfordert. Ankara hatte trotz internationalen Drucks entschieden, die Menschen nur noch jenseits der Grenze mit dem Nötigsten zu versorgen. Die Türkei fordert seit Langem, entlang der Grenze eine Schutzzone einzurichten und hat mit der Schließung der Grenze dieser Forderung noch einmal Nachdruck verliehen. Fraglich ist jedoch, ob Ankara diese Politik durchhalten kann, wenn jenseits der Grenze Flüchtlinge sterben.

Kilis ist seit Tagen Ziel von Raketen aus Syrien

Dies gilt umso mehr, als dass die Türken direkt am Grenzübergang soeben das bestehende Flüchtlingscamp um 10 000 Plätze erweitert haben. Ein komplettes Containerdorf steht zurzeit leer. Die Regierung überlegt, dort Flüchtlinge unterzubringen, die sie im Zuge des Flüchtlingspaktes mit der Europäischen Union aus Griechenland zurücknehmen muss.

Die Provinzhauptstadt Kilis ist seit Tagen Ziel von Raketen aus Syrien. Insgesamt starben zwei Menschen, mindestens 21 wurden verletzt. Verteidigungsminister İsmet Yılmaz, Generalstabschef Hulusi Akar und Geheimdienstchef Hakan Fidan begaben sich wegen der Angriffe nach Kilis. "Wenn sie die Türkei angreifen, werden sie deutlich Schlimmeres erleiden", sagte der Verteidigungsminister. Die türkische Artillerie habe das Feuer erwidert und Stellungen des IS attackiert, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu. Die Angreifer müssten "einen hohen Preis" für diese "Aggressionen" zahlen.

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