Syrien:UN-Experten prüfen Erschießungsvideo

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Das Video zeigt angeblich die Exekution mehrerer Soldaten durch syrische Rebellen. Amnesty International und die Vereinten Nationen sprechen von einem "möglichen Kriegsverbrechen". Doch sind die Aufnahmen echt? UN-Experten wollen das jetzt untersuchen.

Die verwackelten Aufnahmen zeigen, wie etwa ein Dutzend am Boden liegende Männer, die teilweise Uniform tragen, erst getreten, beschimpft und dann erschossen werden. Das von Aktivisten veröffentlichte Video soll die Exekution syrischer Soldaten durch die Rebellen-Einheit zeigen. Aufgenommen worden sei es nach einem Angriff bewaffneter Regimegegner auf einen Kontrollpunkt von Regierungstruppen nahe der nordsyrischen Stadt Saraqib.

Menschenrechtsgruppen zeigen sich angesichts der Aufnahmen entsetzt. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte verurteilte die gezielten Hinrichtungen. Die Rebellen dürften dies ebenso wenig wie die Regierungstruppen. Sowohl Amnesty International als auch die Vereinten Nationen sprechen am Tag nach der Veröffentlichung des Videos von einem möglichen Kriegsverbrechen.

Allerdings sei die Echtheit der Aufnahmen noch nicht bewiesen. "Wie bei anderen solchen Videos ist es schwierig, sie unmittelbar zu verifizieren", sagte Rupert Colville, der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, in Genf. "Wir müssen dies sorgfältig prüfen."

Video könnte in einem Prozess als "Beweis" dienen

Es sei möglich, dass das Video eine im Schnellverfahren exekutierte Hinrichtung dokumentiere, wie sie von Oppositionskräften sowie Regierungstruppen oder mit ihnen verbündeten Milizen wie der Schabiha begangen werden, sagte Colville.

Das UN-Hochkommissariat rufe "einmal mehr alle Konfliktparteien auf, die internationale humanitäre Gesetzgebung zu respektieren", sagte der Sprecher. Keiner der Beteiligten dürfe darauf setzen, dass Menschenrechtsverletzungen nicht geahndet würden. Wenn sich das Video als echt erweise, könne es in einem Prozess als "Beweis" dienen.

In der strategisch wichtigen Region um Saraqib im Norden Syriens wird seit Wochen gekämpft. Die Rebellen haben das Gebiet nach eigenen Angaben aber inzwischen weitgehend eingenommen und die Truppen des Assad-Regimes besiegt. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist allerdings nicht möglich.

Der Beobachtungsstelle in London zufolge befindet sich ein Gebiet im Umkreis von etwa 25 Kilometern um die Stadt herum in der Hand der Rebellen. Die Aufständischen hätten am Donnerstag drei Militärstützpunkte eingenommen und dabei mindestens 28 Soldaten getötet.

Durch die Region laufen wichtige Verkehrsverbindungen zwischen der Hauptstadt Damaskus und der Wirtschaftsmetropole Aleppo sowie der Küstenstadt Latakia. Erst kürzlich hatten die Rebellen in der Provinz Idlib mehrere Stellungen der syrischen Armee zerstört. Ihr Ziel ist es vor allem, die Schnellstraße zwischen Damaskus und Aleppo unter Kontrolle zu bringen, die ein wichtiger Nachschubweg für die Truppen von Präsident Baschar al-Assad ist.

Bei einem massiven Angriff der Luftwaffe auf einen Ort nahe der türkischen Grenze sind nach Angaben von Revolutionären mindestens 70 Menschen ums Leben gekommen. Der Angriff habe dem drei Kilometer von der Grenze entfernt liegenden Dorf Harim gegolten, meldete die Generalkommission für die Syrische Revolution (SRGC).

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur berichtete nicht über den Angriff. Sie meldete unter Berufung auf den Gouverneur von Idlib nur, die von einigen Medien verbreitete Nachricht, "Terroristen" hätten die Festungsanlage von Harim erobert, sei falsch.

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