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Syrien:Trump kündigt Angriff per Twitter an

"Halt dich bereit, Russland": In einem Tweet erklärt der US-Präsident, Amerika werde Raketen auf Ziele in Syrien abfeuern. "Sie werden kommen - schön und neu und smart".

Von Julian Hans, Paul-AntonKrüger und Mike Szymanski, Moskau/Kairo

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„Russland hat geschworen, jede einzelne der auf Syrien abgefeuerten Raketen abzuschießen. Halt dich bereit, Russland, weil sie kommen werden, schön und neu und ,smart‘! Ihr solltet keine Verbündete sein für ein Tier, das sein Volk mit Gas tötet und daran Freude hat!“ Tweet von US-Präsident Trump am Mittwoch.

(Foto: Twitter)

US-Präsident Donald Trump hat einen Angriff auf Ziele in Syrien angekündigt. Das Pentagon wollte sich zu möglichen bevorstehenden Militäroperationen jedoch nicht äußern. Trump schrieb am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter, Russland habe angekündigt, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien gefeuert würden. Er bezog sich offenkundig auf Äußerungen von Russlands Botschafter in Libanon, Alexander Sassypkin, im Interview mit dem libanesischen Fernsehsender al-Manaar. Trump fügte hinzu: "Halt dich bereit, Russland, weil sie kommen werden."

Sassypkin sagte, Russland werde nicht nur anfliegende Raketen abschießen, sondern auch "die Objekte angreifen, von denen sie abgefeuert wurden" - also Kriegsschiffe und Flugzeuge der USA, Frankreichs und möglicherweise auch Großbritanniens. Er berief sich dabei auf Ankündigungen von Präsident Wladimir Putin und Generalstabschef Walerij Gerassimow. Putin selbst hat damit allerdings nie öffentlich gedroht; eine solche Ankündigung durch einen Botschafter zu machen, wäre äußerst ungewöhnlich.

Am Mittwoch bezeichnete Putin die Weltlage mit Blick auf Syrien als "besorgniserregend". Er hoffe, dass sich die Vernunft durchsetzen werde. Generalstabschef Gerassimow hatte in einer Video-Konferenz russischen Kommandeuren am 13. März angekündigt, im Falle eines US-Angriffs würde sich ein russischer Gegenschlag "sowohl gegen die Raketen als auch gegen die Objekte richten, von denen sie abgefeuert werden" - sofern nur die geringste Gefahr für russische Soldaten bestehe. Diese Einschränkung zitierte der Botschafter nicht. Gerassimow hatte vor einer Provokation durch Assad-Gegner in Ost-Ghuta gewarnt, der Region, in der das vermutlich von einem Giftgasangriff betroffene Duma liegt. In einem von Syriens Armee umstellten Viertel würden Menschen zusammengetrieben, um "Opfer eines chemischen Zwischenfalls darzustellen", den die Hilfsorganisation Weißhelme inszenieren werde. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte , alle Umstände deuteten darauf hin, dass es "einen neuen C-Waffeneinsatz gegeben hat". Es gebe "schwere Indizien, die auf das syrische Regime weisen". Zu möglichen Militärschlägen äußerte sie sich nicht. Eine Sprecherin des US-Präsidialamts sagte Stunden nach Trumps Tweet, ein Militärschlag gegen Syrien "ist sicher eine Option", sei aber nicht "die alleinige Option". Es sei noch nicht abschließend entschieden und gebe keinen Zeitplan. Trump hatte weiter geschrieben, Amerikas Beziehungen mit Moskau seien "schlechter als je zuvor, den Kalten Krieg eingeschlossen". Die USA seien bereit, der russischen Wirtschaft zu helfen. "Stoppen wir das Wettrüsten?", endet sein Tweet - was sich als Verhandlungsangebot werten lässt. Laut Kreml hatte Trump im März Putin ein Treffen im Weißen Haus offeriert.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte der Süddeutschen Zeitung: "Wir leben mit Russland nicht im Kalten Krieg. Aber wir leben mit Moskau auch nicht in der strategischen Partnerschaft, die wir nach dem Ende des Kalten Krieges angestrebt hatten."

© SZ vom 12.04.2018

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