Syrien: Tote bei ProtestenPolizei feuert auf Demonstranten

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In Syrien ist die Lage erneut eskaliert: Sicherheitskräfte schossen auf Regimegegner, Menschenrechtler sprechen von bis zu 13 Toten. An diesem Freitag gingen in mehreren Städten Zehntausende gegen die syrische Regierung auf die Straße.

Silke Lode

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Bei Protesten in Syrien haben Sicherheitskräfte am Freitag mindestens vier Menschen erschossen. Die Nachrichtenagentur AP spricht sogar von 13 Toten nur in der Stadt Deraa an der Grenze zu Jordanien, wo die seit drei Wochen anhaltenden Unruhen begonnen haben. Augenzeugen berichteten, dass die Sicherheitskräfte scharfe Munition und Tränengas gegen Tausende Demonstranten einsetzten. In der Küstenstadt Banias sollen mindestens 15.000 Menschen mit Olivenzweigen in der Hand für Freiheit und den Sturz des Regimes auf die Straße gegangen sein. In mindestens zehn weiteren Städten im ganzen Land kam es nach den Freitagsgebeten zu Protestzügen.

Ein Screenshot  einer Videoaufnahme zeigt die Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten - Agenturberichten zufolge sind dabei bis zu 13 Menschen getötet worden.
Ein Screenshot  einer Videoaufnahme zeigt die Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten - Agenturberichten zufolge sind dabei bis zu 13 Menschen getötet worden. AFP

In der vorwiegend kurdischen Stadt Kamischli riefen Tausende: "Es gibt keinen Ersatz für Freiheit." Staatspräsident Baschar al-Assad hatte am Donnerstag versucht, die Kurden mit Zugeständnissen ruhig zu halten. Er hatte angeordnet, den als "ausländisch" registrierten Kurden die syrische Staatsbürgerschaft zu geben. Von der Regelung sind mindestens 150.000 staatenlose Kurden betroffen. Führer mehrerer kurdischer Parteien hatten jedoch erklärt, ihren Kampf für Demokratie nicht aufzugeben.

Aktivisten berichten, dass auch in Harasta, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus, am Freitag Demonstrationen mit Waffengewalt und Tränengas aufgelöst wurden. Militäreinheiten riegelten Duma ab, einen weiteren Vorort. Ein Menschenrechtler berichtete, dass es niemandem gelungen sei, aus Damaskus nach Duma vorzudringen; auch die Telefonverbindung sei unterbrochen. In Duma sind vergangenen Freitag mindestens acht Menschen erschossen worden.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat sich eingängig mit den Ereignissen am 1.April befasst und zitiert in einem Bericht mehrere Augenzeugen aus Duma, die von bewaffneten Männern in Zivil berichten. Sie hätten aus den Reihen der Polizei auf die Demonstranten geschossen. In einem gemeinsamen Brief fordern 19 Menschenrechtsorganisationen den UN-Menschenrechtsrat auf, sich in einer Sondersitzung mit Syrien zu befassen. Sie bezweifeln unter anderem, dass die von Präsident Assad angekündigten Untersuchungen zum Tod von mindestens 100 Demonstranten vollständige Ergebnisse bringen werden.

© SZ vom 09.04.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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