bedeckt München 18°
vgwortpixel

Syrien:Gefahr, dass der Krieg außer Kontrolle gerät

Präsident Wladimir Putin hat am Montag in Teheran seine Vorstellung von der Nachkriegsordnung zu Protokoll gegeben. Da saß der russische Neo-Zar brav neben einem Dolmetscher auf einem Sofa und blickte zu Ayatollah Ali Chamenei auf, dem obersten Führer Irans. Russland ordnet sich Iran unter, weil Iran eine Vormacht am Boden garantieren wird.

Die russisch-iranische Allianz will Assad oder ein ähnlich gestricktes Nachfolgeregime in der Hauptrolle. Andernfalls wird es keinen Frieden und kein Bündnis gegen den IS geben. Für Putin heißt die Reihenfolge: Assad stärken, Opposition schwächen, und erst dann gemeinsam den IS bekämpfen.

Hollandes Ansinnen - vorzeitig beantwortet

Für die Türkei lautet die Formel indes: Assad beseitigen, den Kurden Vorteile verwehren, die gemäßigte Opposition stärken - die Bodentruppen für die Durchsetzung türkischer Interessen. Putin lässt seine Luftwaffe offensiv gegen diese Interessen kämpfen. Seit seinem Kriegseintritt spielt Russland ein doppeltes Spiel. Dem Westen versichert der Präsident, dass er den IS bekämpfen werde. Faktisch fliegt die Luftwaffe vor allem Angriffe auf die Assad-Opposition.

Diese Einsatztaktik hat sich in den letzten Tagen ein wenig verschoben. Die Anschläge in Paris und die Bombe gegen die russischen Ägypten-Touristen haben auch die Moskauer Politik verändert. Frankreichs Präsident François Hollande wollte sich in dieser Woche in Moskau vergewissern, dass der Schwenk in Richtung IS als Kriegsfeind Nummer eins ernst gemeint ist. Putin hat mit dem fortgesetzten Bombardement auf die Turkmenen die Antwort schon jetzt gegeben. Ob die türkische Reaktion darauf klug war, steht auf einem anderen Blatt.

Noch nie war die Gefahr so groß, dass der Krieg vollends außer Kontrolle gerät und Nachbarn und Patronatsmächte hineinzieht ins Gemetzel wie in einen Strudel. Eine Führungsfigur aus dem Lager der Opposition oder dem Assad-Regime ist nicht in Sicht, auf die sich die großen Kriegsparteien für eine Interimsführung einigen könnten.

Die Wiener Friedensgespräche werden durch den Abschuss weit zurückgeworfen. Und ein verzweifelter französischer Präsident wird anderthalb Wochen nach Paris zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich der Niedergang noch immer beschleunigen lässt.

Krieg in Syrien Generalstab: Zwei russische Soldaten sind tot Video

Krieg in Syrien

Generalstab: Zwei russische Soldaten sind tot

Für Moskau sind es die ersten toten Militärangehörigen im Syrien-Einsatz.   Von Mike Szymanski, Istanbul, Antonie Rietzschel, Moskau, und Dominik Fürst