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Syrien:Steinmeier erwägt Luftbrücke für Aleppo

Frank-Walter Steinmeier plädiert dafür, Hilfe aus der Luft für die Menschen in Aleppo zu prüfen.

(Foto: AP)
  • Bundesaußenminister Steinmeier denkt einem Medienbericht zufolge über die Versorgung der Bevölkerung Aleppos aus der Luft nach.
  • Außerdem verurteilt er den mutmaßlichen Chlorgas-Einsatz gegen "unschuldige Männer, Frauen und Kinder" in Aleppo aufs Schärfste.

Die Lage der Menschen in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo ist verzweifelt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier denkt nun über die Möglichkeit nach, eine Luftbrücke zur Versorgung der dort eingeschlossenen Zivilisten einzurichten.

Die Bundesregierung sei mit den Vereinten Nationen, den USA und mit Russland darüber im Gespräch, "wie die so dringlich gebotene humanitäre Hilfe unter Aufsicht der Vereinten Nationen nach Aleppo geliefert werden kann, wie also humanitäre Zugänge geschaffen werden können", sagte Steinmeier der Welt am Sonntag. Am Montag werde er bei seinem Besuch in Russland darüber mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow sprechen.

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Die Syrien-Kontaktgruppe habe sich bereits darauf geeinigt, "dass bei der systematischen Verweigerung von humanitärer Hilfe eine Versorgung aus der Luft in Erwägung gezogen werden kann", sagte Steinmeier weiter. Bereits in der syrischen Stadt Deir ez-Zoor hätten die Menschen aufgrund der Lage am Boden über Luftbrücken versorgt werden müssen. "Wenn beide Teile Aleppos weiter nicht hinreichend humanitär versorgt werden können, sollten wir auch die Möglichkeit von Hilfe aus der Luft prüfen, vor allem bei medizinischen Gütern."

Teile Aleppos werden von den Rebellen gehalten, andere sind in der Hand der Regierungstruppen. Seit einer Woche versuchen die Aufständischen mit einer Offensive, den Belagerungsring der Regierungstruppen um den Osten der Stadt zu durchbrechen. Dort sollen noch etwa 250 000 Menschen leben. Bislang gelang es den Kämpfern jedoch nicht, einen sicheren Korridor für Zivilisten und Hilfsgüter zu errichten.

Steinmeier verurteilt mutmaßlichen Chlorgas-Einsatz

Steinmeier kritisierte zudem den mutmaßlichen Chlorgas-Einsatz in Aleppo mit deutlichen Worten. "Wir verurteilen den Einsatz international geächteter Waffen - seien es chemische Waffen oder Fassbomben - auf das Schärfste und fordern alle Konfliktparteien auf, ihr Möglichstes zu tun, um die syrische Zivilbevölkerung zu schützen", sagte er dem Blatt weiter.

Das, was zurzeit in Aleppo geschehe, sei eine "neue Eskalationsstufe" in den fünfeinhalb Jahren des syrischen Bürgerkriegs. "Nun erreichen uns erneut Berichte über den Einsatz von Chlorgas gegen unschuldige Männer, Frauen und Kinder." Nach unbestätigten Berichten von Aktivisten in Aleppo hatten Armee-Hubschrauber am Mittwoch Behälter mit der ätzenden und potenziell tödlichen Chemikalie über der Stadt abgeworfen. Mindestens drei Menschen sollen an den Folgen gestorben sein.

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