Syrien Schwere Luftangriffe in Damaskus

Rebellen war es zuvor erstmals seit zwei Jahren gelungen, in das Zentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus vorzudringen. Doch sie stehen unter großem Druck durch die Armee Assads und die mit ihm verbündeten Russen.

Von Dunja Ramadan

Mit einem Überraschungsangriff in Damaskus wollten die Rebellen am Sonntag das Herz des Regimes treffen. Der Angriff in Damaskus sei ein Zeichen an den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gewesen, sagte ein Sprecher der Südlichen Front der Freien Syrischen Armee, Issam Al Reis, dem arabischen Fernsehsender Al Hadath. Aber nicht nur an ihn, sondern ein Zeichen auch an seine Verbündeten Iran und Russland. Die Verstöße gegen die Feuerpause würden sie sich nicht länger gefallen lassen, sagte Al Reis. Vorige Woche blieben die Rebellen den neuen Syrien-Verhandlungen in der kasachischen Hauptstadt Astana deshalb fern.

Am Montagmorgen wurde der Osten der syrischen Hauptstadt nach Angaben von Aktivisten zum Ziel heftiger Luftangriffe. Einwohner sprachen demnach von mindestens 40 Luftangriffen, schwarze Rauchwolken hingen über den Gebäuden. AFP-Reporter im Osten von Damaskus berichteten von Kampfflugzeugen, die über der Stadt kreisten. Unklar blieb, ob die syrische Luftwaffe oder die mit den syrischen Regierungstruppen verbündeten russischen Streitkräfte die Attacken ausführten. Zahlreiche Einwohner der Hauptstadt verbargen sich in den Häusern, Schulen blieben geschlossen. Seit dem Morgengrauen würden Stellungen unter Kontrolle der Aufständischen bombardiert, berichtete die in England ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Allein für Sonntag verzeichnete sie 26 getötete Kämpfer der Regierungstruppen sowie 21 getötete Aufständische, für Montag lagen zunächst keine Zahlen vor.

Der unerwartete Angriff von Dschihadisten und Rebellen hatte am Sonntag heftige Gefechte mit regierungstreuen Kräften ausgelöst. Diese versuchten, von Dschobar aus zum zentralen Abbasiden-Platz in Damaskus vorzustoßen. Dschobar liegt zwischen Damaskus und Rebellengebieten östlich der Hauptstadt. Zuvor waren zwei Autobomben in der Nähe von Posten der Regierungstruppen explodiert. Die syrische Armee teilte mit, sie habe alle verlorenen Stellungen zurückerobert.

Im Norden der Metropole stehen die Gegner Assads unter erheblichem Druck

Es war das erste Mal seit zwei Jahren, dass es den Rebellen gelang, in die Umgebung des Abbasiden-Platzes vorzudringen. Wie die Syrische Beobachtungsstelle mitteilte, diente der Angriff der bewaffneten Regierungsgegner dazu, ihre Kämpfer zu entlasten, die im Norden der Hauptstadt unter erheblichem Druck der Regierungskräfte stehen. Die syrische Opposition besteht aus zahlreichen Gruppierungen: Neben der Freien Syrischen Armee kämpfen auch radikale Gruppierungen gegen die syrische Regierung, wie die Fateh-al-Scham-Front, die aus der Al-Nusra-Front hervorgegangen ist, dem ehemaligen Al-Qaida-Ableger in Syrien.

Im syrischen Staatsfernsehen hieß es am Montag, die Armee sei unter Artillerieeinsatz dabei, "einen Angriff von Terroristen zurückzuschlagen". Dazu waren Bilder des leeren Abbasiden-Platzes zu sehen, der ansonsten sehr belebt ist. Den Regierungstruppen gelang es in den vergangenen 18 Monaten, die Rebellen sowohl in Damaskus wie im ganzen Land zurückzudrängen. Das hat maßgeblich mit der Einmischung Russlands zu tun. Seit September 2015 kämpft es gemeinsam mit iranischen und schiitischen Milizen an der Seite von Assad, der so vielerorts die Oberhand zurückgewinnt.