Syrien Putin will keinen Frieden in Syrien

Syrer fliehen nach einem Luftangriff in der Nähe von Damaskus durch den Staub.

(Foto: AFP)

Dass die USA die Gespräche mit Russland abgebrochen haben, ist richtig. Sie waren nicht mehr als ein diplomatisches Kasperltheater. Putin will seine Macht zementieren. Wie das geht, hat er andernorts längst demonstriert.

Kommentar von Tomas Avenarius

Waffen entscheiden Kriege. Das ist nicht neu, bleibt aber leider wahr. Wenn die Kriegsgegner ernsthaft miteinander verhandeln, dann geschieht dies nur aus einem von zwei Gründen. Entweder gesteht sich die eine Seite ihre Unterlegenheit ein und versucht, das noch Bestmögliche herauszuholen. Oder, Fall zwei: Keiner hat die Kraft zum Sieg. Für beide Kriegsparteien würden die Kosten eines fortgesetzten Kampfs den Nutzen schlicht übersteigen.

Auch in Syrien verhält es sich so. Umso konsequenter ist der Entschluss der US-Regierung, das diplomatische Kasperltheater sein zu lassen und nicht länger gemeinsam mit dem Kreml nach einer Friedenslösung zu suchen: Russland will sie nicht, auch die USA verfolgen in der Levante keineswegs nur hehre Ziele, und die Konkurrenz zwischen den beiden Mächten wiegt längst wieder schwerer als der Wunsch nach einem syrischen Frieden. Die internationalen Bemühungen um den Wunderplan, der von den Drittstaaten und den UN ausgeknobelt wird, hatten daher längst etwas von einer Farce an sich.

Die Außenminister Lawrow und Kerry treten vielleicht gemeinsam vor das Mikrofon, doch der Graben zwischen ihnen wird immer tiefer. Dazu die zahnlose Weltorganisation - die UN klagen Menschlichkeit ein und müssen hilflos zusehen, wie ihre Konvois in Aleppo bombardiert werden. Befremdlich abgerundet wird das Geschehen vom deutschen Außenminister, der um die Welt twittert: "Wir verurteilen, wir fordern auf, wir dürfen den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen", während Wirtschaftsminister Gabriel Geschäfte in Iran anbahnt.

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Syrien

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Die Gespräche zwischen Russland und den USA waren eine Farce

Russland und Iran entscheiden über Syrien. Punkt und aus. Die einen haben die Bomber in der Luft, die anderen die Fußsoldaten am Boden. Baschar al-Assad kann auf Sieg setzen, weil Putin in Aleppo Bunkerbrecher und Brandbomben abwerfen lässt, selbst Hospitäler nicht verschont. In den Straßen geht die syrische Armee, geführt von Iranern und Hand in Hand mit dem Fußvolk schiitischer Milizen, ihrem garstigen Geschäft nach. Die Niederlage der eingeschlossenen Rebellen in Aleppo scheint eine Frage der Zeit zu sein, und der syrische Herrscher wird aufs Fürchterlichste mit ihnen abrechnen.

Die Vorstellung, es ließe sich im sechsten Kriegsjahr noch ein Kompromiss zwischen Assad-Regime und Aufständischen finden, ist weltfremd. Die eine Möglichkeit ist, das Desaster geschehen zu lassen im Sinne des Bismarck-Satzes vom pommerschen Grenadier: Einmischung nur, wenn es sich für einen selbst lohnt. Die Alternative wäre aktives Engagement. Aber die Vorstellung, dass die USA syrische Militärflughäfen bombardieren, während russische Jets starten und landen, ist abenteuerlich.

Bliebe nur, den Rebellen nach Jahren der Zurückhaltung nun die Waffen zu liefern, nach denen sie seit Langem rufen: Luftabwehrraketen, welche die russischen Jets vom Himmel holen können. Im Afghanistankrieg vor 30 Jahren haben solche US-Geschosse den Gotteskriegern geholfen, der Roten Armee eine Niederlage zuzufügen. Diese hat zum Untergang der UdSSR beigetragen. Sie hat aber auch den afghanischen Bürgerkrieg ausgelöst und der Welt mit Osama bin Laden die Geißel des globalen Dschihadismus gebracht.

Und dann, wer garantiert in Syrien eine russische Niederlage? Putin hat in Tschetschenien vorgemacht, wie er Krieg führt: Bei der Wahl der Waffen immer das größte Kaliber, Bomben werfen und Raketen schießen, bis kein Stein mehr auf dem andern bleibt. Danach einen genehmen Machthaber inthronisieren, ihm etwas Leine lassen und den eigenen Machtanspruch dabei zementieren. Dies wird er in Syrien versuchen. Und die USA haben dank früherer Zögerlichkeit in Syrien keine Möglichkeit mehr, es zu verhindern.

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