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Syrien:Opposition berichtet von getöteten Frauen und Kindern

Das Blutvergießen in Syrien nimmt kein Ende: Syrische Menschenrechtsaktivisten melden 17 Todesopfer in Deraa und heftige Gefechte in Damaskus. Aus dem Dorf Al-Kubeir berichten UN-Beobachter von blutverschmierte Hauswänden und "starkem Geruch von verbranntem Fleisch".

In der syrischen Rebellenhochburg Daraa hat die Armee nach Angaben von Aktivisten in der Nacht zum Samstag mindestens 17 Menschen getötet. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurden sie beim Beschuss eines Wohnviertels getötet. Unter den Opfern waren demnach auch neun Frauen und drei Kinder. Nach dem Beschuss sei es zu Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen gekommen.

Die UN haben Beobachter in das krisengeschüttelte Land Syrien geschickt.

(Foto: AFP)

Auch in der Hauptstadt Damaskus habe es in der Nacht Explosionen gegeben, berichtete die in Großbritannien ansässige Stelle, die sich auf ein Netz von Kontakten in Syrien stützt. Zuvor hätten sich Rebellen und Sicherheitskräfte in der Stadt schwere Gefechte geliefert. Die Hauptstraße von Damaskus nach Deraa sei durch brennende Autoreifen blockiert.

Die von den Vereinten Nationen in das Land geschickten Beobachter berichten von einem Bild der Schreckens. In dem Dorf Al-Kubeir, wo syrische Regierungstruppen und Milizen am Mittwoch Dutzende Menschen getötet haben sollen, hätten sie blutverschmierte Hauswände gesehen und "einen starken Geruch von verbranntem Fleisch" wahrgenommen, teilten die UN mit. Über die tatsächliche Zahl der Opfer könnten noch keine Angaben gemacht werden. Auf die Beobachter war am Donnerstag selbst geschossen worden. Die syrische Regierung weist jede Verantwortung für das Massaker von sich und macht "Terrorbanden" verantwortlich.

Russland fordert Syrien-Konferenz mit Iran

Ein schärferes Vorgehen gegen das Regime von Baschar al-Assad wird im UN-Sicherheitsrat von Russland blockiert. Nun fordert Moskau stattdessen, rasch eine internationale Friedenskonferenz einzuberufen - unter Einbeziehung des Iran. Ziel dieser "kompakten Syrienkonferenz", an der die fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates, die Arabische Liga und die Nachbarn Syriens teilnehmen sollen, sei die Durchsetzung des Friedensplans des UN-Syrienbeauftragten Kofi Annan.

Iran auszuschließen sei "unüberlegt", sagte Außenminister Sergej Lawrow. Iran sei eines der Länder, das Einfluss auf die syrische Regierung habe. Die von Moskau geforderte Konferenz müsse "so schnell wie möglich" einberufen werden. Gleichzeitig bekräftigte Lawrow das russische Nein zu einer möglichen Militärintervention in Syrien. "Wir werden im UN-Sicherheitsrat den Einsatz von Gewalt nicht billigen", sagte Lawrow. Ein militärisches Eingreifen hätte "schwerwiegende Konsequenzen" für den gesamten Nahen Osten.

Vor Lawrows Konferenz-Initiative hatte es erste Anzeichen einer Annäherung zwischen Russland und den USA gegeben. Russlands Vize-Außenminister Gennadi Gatilow sprach nach einem Treffen mit einer US-Delegation von "vielen Berührungspunkten" zwischen Moskau und Washington. "Ich hoffe, dass wir zusammen Wege für eine politische Lösung der Krise finden", teilte Gatilow über Twitter mit.

Britischer Journalist erhebt Vorwürfe gegen Rebellen

Schwere Vorwürfe erhebt unterdessen ein britischer Journalist gegen die syrischen Rebellen: Die Regierungsgegner hätten ihn in der Nähe der libanesischen Grenze in eine Falle gelockt, damit er von syrischen Regierungstruppen erschossen würde, berichtete der Chefkorrespondent von Channel 4 News, Alex Thomson, in seinem Blog. Er, sein Fahrer, ein Dolmetscher und zwei weitere Journalisten wollten in der Stadt Kusair hinter die Regierungslinien zurückkehren, als die Rebellen sie in eine Sackgasse geführt hätten. Ein Schuss sei gefallen. "Ich bin sicher, dass die Rebellen das bewusst arrangiert haben, damit wir von der syrischen Armee erschossen werden", schrieb Thomson. Doch ihnen gelang die Flucht. Thomson hat Syrien inzwischen verlassen.

© Süddeutsche.de/afp/dpa/dapd/Reuters/dmo/leja
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