Syrien Neue Kämpfe im syrischen Aleppo

  • Syriens Regierung und Russland werfen Rebellengruppen vor, in der Stadt Aleppo Chlorgas gegen Zivilisten eingesetzt zu haben.
  • Offenbar wurden daraufhin Stellungen der Aufständischen bombardiert.
  • Die neuen Kämpfe gefährden eine Waffenruhe in der dicht besiedelten Region nahe der türkischen Grenze.

Die seit September geltende Waffenruhe in der dicht besiedelten Region um Aleppo droht offenbar zu enden. In der Gegend um die syrische Stadt seien Aufständische bombardiert worden, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag. Zuvor hatten Syrien und Russland den Rebellen vorgeworfen, in Aleppo Zivilisten mit Giftgas angegriffen zu haben. Rebellengruppen bestreiten dies.

Den Berichten zufolge sind es die ersten Luftangriffe in der Region im Nordwesten des Bürgerkriegslandes, seit Syriens Verbündeter Russland und die Türkei im September die Errichtung einer Pufferzone an der Grenze der Provinz vereinbart hatten. Mit der Vereinbarung sollte eine Militäroffensive in der dicht besiedelten Region verhindert werden. Die Provinz Aleppo liegt im Nordwesten Syriens und grenzt direkt an die Türkei.

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Russland und die syrische Führung beschuldigen Rebellen, Aleppo am Samstag mit Giftgasgranaten angegriffen zu haben. Dabei seien 107 Menschen verletzt worden, meldete die syrische Nachrichtenagentur Sana. Auch die in Großbritannien beheimatete Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, nach dem Einschlag von Granaten habe Gasgeruch über Aleppo gelegen. 94 Menschen seien nach dem Angriff medizinisch versorgt worden, 31 von ihnen befänden sich noch in Krankenhäusern. Der russischen Regierung zufolge setzten die Rebellen Chlorgas ein.

Das Außenministerium in Damaskus sprach von einem "terroristischen Verbrechen" und forderte, der UN-Sicherheitsrat solle die Attacke verurteilen. Auch der syrischen Armee wurde wiederholt der Einsatz von Chemiewaffen vorgeworfen, was die Führung in Damaskus jedoch stets bestritten hat.

Rebellen und Oppositionelle bestreiten den Einsatz von Giftgas. Sie warfen der syrischen Regierung Diffamierung vor. Die Aufständischen verfügten weder über Giftgas, noch über die Mittel, es einzusetzen, sagte der Kommandeur Abdel Salam Abdel-Rasak, der einst selbst am Chemiewaffenprogramm der Regierung mitgearbeitet hatte, bevor er zur Opposition überlief. Die Regierung lüge, twitterte er.

Rebellensprecher Mustafa Sedschari sagte, die Regierung habe den Giftgasvorwurf in die Welt gesetzt, nachdem sie Rebellengebiete beschossen habe. Ziel sei es, den von Russland vermittelten Waffenstillstand zu untergraben.

Russland kündigte Gespräche mit der an Syrien grenzenden Türkei an, die einige als moderat geltende Rebellengruppen in der westlich von Aleppo gelegenen Provinz Idlib unterstützt. Am mächtigsten dort ist aber eine islamistische Rebellengruppe.

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