Syrien-Konflikt So kam es zu Trumps Angriffsbefehl

Donald Trump während seiner Rede zur Militärschlag in Syrien.

(Foto: REUTERS)

Eine Übersicht über die drei Tage, in denen der US-Präsident seinen bisherigen Syrien-Kurs grundsätzlich geändert hat.

Von Oliver Das Gupta

Der Luftangriff gegen eine Militärbasis der syrischen Armee stellt eine doppelte Wendemarke dar. Erstmals attackieren die USA das Regime von Machthaber Baschar al-Assad militärisch, ohne Zustimmung des US-Kongresses - ein Schritt, vor dem Donald Trump vor seiner Präsidentschaft seinen Vorgänger Barack Obama gewarnt hat. Außerdem ist der erst wenige Tage alte Schwenk Washingtons in der Syrien-Strategie schon wieder Vergangenheit.

Unter Obama war es erklärtes Ziel der Vereinigten Staaten, auf einen Regime-Wechsel in Damaskus hinzuwirken. Das wollte die Trump-Administration ändern: Der neue US-Außenminister Rex Tillerson hatte erst in der vergangenen Woche erklärt, die Zukunft Assads werde von den syrischen Menschen bestimmt. Demnach würden es die USA akzeptieren, wenn der mit Russland verbündete Diktator weiterhin an der Macht bleibt.

Nun, angesichts der Chemiewaffenopfer, ist Washington umgeschwenkt. Mit dem Militärschlag geht Trump sogar weiter, als es Obama tat. Der Präsident wirkt nun seinerseits so, als ob er Assad stürzen wolle - auch, wenn Russland dies kritisiert. Eine Übersicht über drei Tage, in denen sich Trumps bisheriger Syrien-Kurs um 180 Grad gedreht hat.

Dienstag, 4. April 2017. Mehr als 80 Menschen sterben bei einem Angriff in der syrischen Stadt Khan Scheikhun. Die Opfer zeigen Symptome wie Krämpfe, Schaum vor dem Mund und verengte Pupillen - deutliche Hinweise auf Chemiewaffen. Schon wenig später lässt sich Donald Trump im Weißen Haus ausführlich über den Vorfall informieren. US-Geheimdienste und befreundete Staaten legen sich schon bald darauf fest, dass die chemischen Kampfmittel von der syrischen Assad-Regierung eingesetzt wurden.

Die Eindrücke aus Syrien lösen persönliche Betroffenheit bei Donald Trump aus, schreibt die Washington Post. Manche der toten Kinder in Khan Scheikhun sind im Alter seines elfjähringen Sohnes Barron. "Sogar hübsche Babys wurden in dieser sehr barbarischen Atrtacke grausam ermordet", sagt der Präsident und achtfache Großvater, und: "Kein Kind Gottes sollte jemals einen solchen Horror erleiden."

Washington sieht die Verantwortung für den Angriff bei der syrischen Regierung, eine Mitschuld gibt Sprecher Sean Spicer der Regierung von Barack Obama. Der aktuelle Vorfall sei eine direkte Folge der "Schwäche und Unentschlossenheit" von Trumps Vorgänger. Der Präsident schließt sich dem später in einer Mitteilung an. Obama habe solche Angriffe mit seiner Tatenlosigkeit erst möglich gemacht. Mehrere Regierungsbeamte zeigen sich in US-Medien überrascht von Trumps Obama-Schelte. Der Nationale Sicherheitsrat des Präsidenten habe eigentlich eine andere Erklärung vorbereitet. Doch dann hätten die engsten Berater Trumps übernommen, wie US-Medien schreiben.

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Aber eine Äußerung von Trump-Sprecher Spicer deutet daraufhin, dass es im Oval Office rumort. Auf die Frage nach einer möglichen Reaktion auf den Chemiewaffenangriff wiegelt Spicer ab: "Wir werden bald darüber reden."

Mittwoch, 5. April 2017. Trump konferiert mit Mitgliedern des Nationalen Sicherheitsrats. Der Präsident soll seine Mitarbeiter mit Fragen regelrecht überschütten. Drei militärische Optionen werden ihm dargelegt. Auf zwei davon solle man sich fokussieren, sagt Trump, der New York Times zufolge. Welche das sind, lässt das Blatt offen.

Der Präsident hat sich nun offensichtlich entschlossen, militärisch einzugreifen. "Diese abscheulichen Taten des Assad-Regimes können nicht toleriert werden", sagt er bei einer Pressekonferenz mit dem jordanischen König Abdullah II. vor dem Weißen Haus. Trump nennt den Gasangriff einen "Affront gegen die Menschlichkeit", und mit Blick auf Obamas Rote-Linie-Äußerungen, fügt Trump hinzu: Assad habe "viele, viele Linien überschritten". Seine Einstellung zum syrischen Machthaber habe sich verändert, sagt Trump. Wie die Reaktion der USA auf den vermuteten Angriff aussehen werde, lässt er unbeantwortet. Er sagt lediglich, es sei Teil seiner Politik, militärische Schritte im Vorfeld nicht zu verraten.

Fast zeitgleich sagt die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley, dass es eine starke Antwort - und möglicherweise sogar einen Alleingang - der USA geben werde. Haley zeigt Fotos der toten Kinder im Weltsicherheitsrat. Ein weiteres wichtiges Indiz sind Äußerungen von Rex Tillerson. Der Außenminister, der erst wenige Tage zuvor den Schwenk von Washingtons Syrien-Politik kommuniziert hat, richtet nun einen Appell an Moskau: Der Kreml möge angesichts des Chemiewaffenangriffs seine Unterstützung für Assad überdenken.

Donnerstag, 6. April 2017. Trump fliegt von Washington nach Florida zu seinem Luxusdomizil Mar-a-Lago. Noch unterwegs spricht der Präsident über eine gesicherte Videoverbindung mit seinem Team. Kurz bevor er Chinas Staatschef Xi Jinping empfängt, gegen etwas 16 Uhr, tagt der Präsident noch einmal mit Mitgliedern seines Sicherheitsrat, andere sind zugeschaltet aus Washington. Die Rede ist von einem "Entscheidungstreffen", hier werden die Modalitäten für den Militärschlag festgelegt. Trump entscheidet sich für eine der weniger massiven Optionen, die Verteidigungsminister Jim Mattis ihm vorschlägt.

Am Ende der Sitzung, die Teilnehmern zufolge eine "beträchtliche Länge" hat, gibt der Präsident den Einsatzbefehl. Die syrische Luftwaffenbasis, von der die Giftgastattacke ausging, soll mit Marschflugkörpern bombardiert werden. Danach geht Trump zum Abendessen mit seinem Staatsgast aus China, den er persönlich über den Luftschlag informiert.

Wenig später feuern zwei US-Kriegsschiffe im Mittelmehr 59 Tomahawk-Raketen auf den Luftwaffenstützpunkt. Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums bezeichnet den Angriff wenig später als "einmalige Maßnahme". Es gebe derzeit keine Pläne für eine Eskalation.

Trump verkündet den Einsatz zur Vergeltung eines Giftgasangriffs kurz nach dem Bankett mit Xi in einer Fernsehansprache. Zum "grundlegenden nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten" gehöre, die Verbreitung von chemischen Waffen zu verhindern, sagt der Präsident. Er appelliert an alle "zivilisierten Nationen", das Blutvergießen in Syrien zu stoppen.

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