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Syrien-Konflikt:Militär und Regimegegner kämpfen um Aleppo

In der syrischen Millionenstadt Aleppo liefern sich die Truppen von Präsident Assad erbitterte Kämpfe mit Oppositionellen. In einem Gefängnis brach eine Revolte aus. Uneinigkeit herrscht im Syrischen Nationalrat darüber, ob eine Übergangsregierung unter einem Assad-Vertrauten akzeptabel wäre.

In der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo dauern die Gefechte zwischen Regierungstruppen und Regimegegnern an. Das syrische Militär hat nach Angaben der Opposition auch am Dienstag wieder mehrere Stadtviertel von Helikoptern aus beschossen. Betroffen seien vor allem Sukkari und Salaheddin, aber auch weitere Stadtteile, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

Bislang stand Aleppo hinter Syriens Präsident Assad, nun wird auch in der Millionenstadt protestiert und gekämpft. Das Bild zeigt einen syrischen Oppositionellen nahe Aleppo.

(Foto: AFP)

Auch in der Nacht haben Regierungstruppen den Informationen zufolge mehrere Stadtviertel bombardiert. In einigen Gegenden habe es in den frühen Morgenstunden Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad gegeben.

Die Gefechte in Aleppo begannen am vergangenen Wochenende, als Regimegegner erklärten, die Stadt befreien zu wollen. Bis dahin stand Aleppo mit seinen knapp 1,7 Millionen Einwohnern hinter Präsident Assad und war von den Unruhen im Land weitgehend verschont geblieben.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle gab es auch in der Hauptstadt Damaskus weiter Kämpfe. Die Armee kontrolliere zwar derzeit fast die gesamte Stadt, umkämpft seien aber die südlichen Viertel Hadschar al-Aswad, Kadam, al-Aassali und Nahr Aiche. Seit dem Beginn einer Gegenoffensive des Militärs am Freitag gab es demnach keine Vorstöße seitens der Aufständischen mehr. Die Stadteile Masse im Westen, Barse im Nordosten und Midan im Süden würden von der Armee kontrolliert.

Opposition offen für Übergangsregierung?

Bei der syrischen Opposition widersprechen sich die Aussagen zu einer möglichen Übergangsregierung unter einem Vertrauten von Präsident Assad. "Wir sind mit einem Rückzug Assads und der Übertragung seiner Aufgaben an eine der Persönlichkeiten des Regimes einverstanden", sagte Georges Sabra, ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats der Nachrichtenagentur AFP. Syrien verfüge in der Führung und in der Armee über "patriotische Figuren", die das Land vorübergehend führen könnten, ergänzte er. Namen nannte er nicht.

Als mögliches Vorbild für den Machtwechsel nannte der Sabra Jemen. Dort hatte sich der langjährige Präsident Ali Abdallah Salih im November nach monatelangen Protesten zum Amtsverzicht bereiterklärt und die Macht übergangsweise an seinen Stellvertreter Abd Rabbo Mansur Hadi übergeben. Dieser wurde dann im Februar zum neuen Präsidenten gewählt.

Wenig später widersprach eine andere Sprecherin des Rats, Bassma Kodmani, gegenüber AFP: "Es bestand nie die Frage einer Regierung der nationalen Einheit unter Führung eines Mitglieds des Regimes", eine neue Regierung müsse von der Opposition gestellt werden.

Gefängnisrevolte mit Todesopfern

Im zentralen Gefängnis von Aleppo kam es in der Nacht zum Dienstag zu einer Meuterei, die das Sicherheitspersonal gewaltsam niederschlug. Acht Häftlinge wurden dabei getötet. Wie der Syrische Nationalrat mitteilte, setzten die Sicherheitskräfte scharfe Munition und Tränengas gegen einen "friedlichen Sitzstreik" der Insassen ein. Zudem habe es dort einen Brand gegeben. Das Gefängnis sei aber von Helikoptern aus beschossen worden, sodass den Häftlingen nicht geholfen werden konnte.

Die Gefangenen wollten nach Angaben des Nationalrats mit dem Sitzstreik gegen die schlechte Behandlung in dem Gefängnis protestieren. Vor drei Tagen hatte es bereits eine Meuterei im Gefängnis von Homs gegeben, die ebenfalls gewaltsam unterdrückt wurde. In beiden Haftanstalten sollen sich nach Angaben der Opposition seit Beginn der Revolte gegen Präsident Assad "Massaker" zugetragen haben.

Verantwortlicher für Bombenanschlag festgenommen

Iranische Medien melden, dass die syrischen Behörden den Verantwortlichen für den Bombenanschlag auf die Militärführung Syriens festgenommen hätten. Der Verdächtige sei in der Zentrale des Obersten Nationalen Sicherheitsrats beschäftigt gewesen, zitierte die staatliche iranische Nachrichtenagentur Fars einen syrischen Parlamentsabgeordneten.

Bei dem Anschlag am Mittwoch vergangener Woche war unter anderem der Verteidigungsminister und ein Schwager von Präsident Baschar al-Assad getötet worden. Der Festgenommene sei von Syriens Feinden angeheuert worden, sagte der Abgeordnete weiter. Die Regierung Assad werde es jedoch nicht zulassen, dass die USA, die Türkei, Israel oder Katar die Sicherheit des Landes gefährdeten.

Unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, dass es sich bei dem Täter um einen Leibwächter der politischen Führung handelte. Das Staatsfernsehen hatte von einem Selbstmordattentat gesprochen.