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Syrien:IS enthauptet Historiker von Palmyra

  • Die Terrormiliz Islamischer Staat soll den historischen Leiter von Palmyra enthauptet haben.
  • Der Leichnam des 82-jährigen Khaled Asaad soll im Zentrum der antiken syrischen Oasenstadt zur Schau gestellt worden sein.

IS ermordet Historiker in Palmyra

Über Jahrzehnte hat der Historiker Khaled Asaad die Altertumsforschung in der antiken syrischen Stadt Palmyra geleitet. Nun haben die Dschihadisten vom "Islamischen Staat" den 82-Jährigen Historiker offenbar ermordet. Das berichten syrische Staatsmedien und eine Aktivistengruppe.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana und der Aktivistengruppe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurde Asaad am Dienstag auf einem Platz vor dem Museum der Stadt enthauptet. Die Beobachtungsstelle erklärte, Dutzende Menschen hätten sich versammelt, um Zeuge der Tötung zu sein. Die Leiche des Opfers wurde anschließend zur archäologischen Stätte von Palmyra gebracht und an einer der römischen Säulen aufgehängt, wie der Chef des Altertums- und Museumsamts in Damaskus, Maamun Abdulkarim, der Agentur sagte.

Dieser gab an, dass Asaad vor seiner Ermordung mehr als einen Monat in IS-Gefangenschaft war. Der Getötete sei "einer der wichtigsten Pioniere in der syrischen Archäologie im 20. Jahrhundert" gewesen, sagte Abdulkarim weiter. Der IS habe versucht, von ihm Informationen darüber zu gewinnen, wo einige der Schätze der Stadt vor den IS-Kämpfern versteckt worden seien. Laut Sana war Asaad vier Jahrzehnte lang bis zu seinem Ruhestand 2003 für die archäologische Stätte von Palmyra verantwortlich. Er habe Artikel in internationalen Archäologie-Fachmagazinen veröffentlicht und in den vergangenen Jahrzehnten mit Forschern aus den USA, Frankreich, der Schweiz und Deutschland zusammengearbeitet.

Palmyra - historische Oasenstadt

Im Mai hatte der IS Palmyra erobert und damit auch die 2000 Jahre alten Ruinen der einstigen Handelsmetropole, die zum Unesco-Welterbe gehören. Weltweit war befürchtet worden, dass die Islamisten die antiken Stätten aus der Zeit der Römer zerstören könnten. Die historischen Stätten Hatra und Nimrud hat die Terrororganisation bereits verwüstet. Im Juni sprengte der IS dann offenbar zwei alte Schreine, die jedoch nicht zu der römischen Epoche gehörten. Weitere Zerstörungen sind bislang nicht bekannt.

Palmyra liegt östlich von Homs mitten in der Syrischen Wüste. Die Oasenstadt war bereits vor mehr als 3000 Jahren ein wichtiger Stopp für Nomaden, Reisende und Händler. Ab dem ersten Jahrhundert vor Christus entstand hier eine reiche Metropole, die eine bedeutende Rolle im Fernhandel zwischen Ost und West spielte.

Die ganz besondere Bedeutung Palmyras besteht heute darin, dass ihre Überreste sehr gut erhalten sind. Von etlichen imposanten Gebäuden, Tempeln und Triumphbögen aus den ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung stehen noch große Teile.

© Süddeutsche.de/AP/sks/gal
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