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Syrien:Im Sog des Bürgerkriegs

Früher hat es in Aleppo sogar ein Sex-Kino gegeben, heute strömen Gotteskrieger aus aller Welt hierher. Der Syrien-Konflikt weckt verschleppte Spannungen in der ganzen Region. Irak, Libanon, Jordanien, die Türkei, sie alle sind in Gefahr. Syriens Nachbarn können sich Neutralität kaum noch leisten.

Vor ein paar Jahren, in ruhigeren, aber, wie man jetzt weiß, nicht stabilen Zeiten, gab es in Aleppo ein Sex-Kino. Die Plakate, harmlos nach westlichen Maßstäben, waren von der Straße aus zu sehen, der Eingang war unbewacht. Eine Sensation im Nahen Osten, selbst für das säkulare Syrien zumindest ungewöhnlich.

Heute strömen Gotteskrieger aus Bangladesch und Tschetschenien über die Grenze. Sie wollen Aleppo von den Ungläubigen befreien, dann Syrien, dann den Rest der Welt. Und angesichts ihrer Phantasien aus dem zivilisatorischen Pleistozän wäre der Verlust von ein paar Softpornos das geringste Übel.

Die Internationalisierung des Syrien-Konfliktes ist nicht mehr aufzuhalten. Die verschleppten Konflikte, die kriminell geschürten Spannungen, die halb verdeckten und oft missbrauchten Klein- und Kleinstzerwürfnisse, hinter denen sich fundamentale Gegensätze von Glauben und Volksgruppen verbergen, werden durch den Syrien-Konflikt in der ganzen Region auf dramatische Weise virulent.

Irak wird ein halbes Jahr nach dem Abzug der Amerikaner von Anschlagsserien mit Hunderten Toten erschüttert, die einem Al-Qaida-Ableger zugeschrieben werden. Das syrische Regime hatte einst Dschihad-Willige in den Nachbarstaat geschickt, um Amerika zu bekämpfen. Nun beflügelt die Aussicht auf einen syrischen Gottesstaat die Militanten in Irak. Viele syrische Dschihadis kehren heim, religiös radikalisiert und bestens ausgebildet - für die Freizeittruppe der Rebellen eine widerwillig akzeptierte Verstärkung.

In Syrien lassen Saudi-Arabien und Katar einerseits und Iran andererseits den historischen Großkonflikt um die Vormachtstellung in der Region auskämpfen: Die persischen Schiiten sahen sich dank der libanesischen Hisbollah-Miliz bereits vor den Toren des Erzfeindes Israel. Nach den Triumphen der sunnitischen Muslimbrüder und Salafisten in Tunesien und Ägypten sind sie in die Defensive geraten.

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