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Syrien:Extrem frustrierend 

Die Dokumentation von Kriegsverbrechen ist elementar.

Wieder belegt ein Bericht die menschenverachtenden Taktiken, mit denen das Regime in Damaskus und sein russischer Verbündeter in Syrien Krieg gegen aufständische Landesteile führen. Wieder zeigt Amnesty International auf, dass die beiden Staaten vorsätzlich Schulen und Krankenhäuser angreifen. Wieder bestätigt sich, dass zynische Kommandeure sogar jene Daten zur Zielführung nutzen, die ihnen die UN zur Verfügung stellten; ursprünglich, um zu verhindern, dass für die Zivilbevölkerung wichtige Infrastruktur getroffen wird.

Und wieder passiert zunächst: nichts. Ein paar Politiker, die im Bezug auf Syrien noch nicht abgestumpft sind und trotz Corona den Blick über die Landesgrenzen heben, werden routiniert-besorgt Konsequenzen fordern. Doch dass Russland mit seinem Veto im UN-Sicherheitsrat jede Resolution kippen kann, verhindert weiter, dass sich Befehlshaber für diese Verbrechen verantworten müssen.

Das ist empörend. Und für jeden, der sich für die Opfer von Konflikten engagiert, extrem frustrierend. Doch auch wenn sich die Kriegsverbrechen in Syrien so seit Jahren wiederholen, ist ihre Dokumentation wichtig. Gerechtigkeit kommt manchmal spät - und an Orten, an denen man es nicht vermutet. Ein aktueller Prozess gegen syrische Folterer in Koblenz zeigt das.

© SZ vom 12.05.2020

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