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Syrien:Europäische Außenminister verurteilen Bombenangriff auf Klinik in Aleppo

Kriegsszene in Aleppo im Norden Syriens

Szene aus Aleppo: Seit vergangenem Sonntag starben in der nordsyrischen Stadt fast 340 Menschen, darunter 106 Kinder.

(Foto: AP)
  • Frankreich und Schweden haben die Fassbomben-Attacke auf das größte Krankenhaus der syrischen Stadt Aleppo verurteilt.
  • Das Krankenhaus M10 ist nach den Bombardierungen nicht mehr einsatzbereit. Damit sind im Osten Aleppos nur noch fünf Kliniken in Betrieb.
  • Russland warnt zudem die USA davor, das syrische Militär zu attackieren. Dies würde vor allem den Terroristen helfen.

Frankreich verurteilt die Bombardierung eines der letzten Krankenhäuser in den Rebellengebieten der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo. Es sei unglaublich, dass Gesundheitseinrichtungen und deren Personal systematisch Ziele von Angriffen seien, erklärt Außenminister Jean-Marc Ayrault. Er fordert ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen in der nordsyrischen Stadt. Paris setze sich im UN-Sicherheitsrat dafür ein, das "nicht hinnehmbare Drama" zu beenden.

Auch die schwedische Außenministerin Margot Wallström äußerte Kritik an Angriffen auf zivile Ziele. Sie schrieb auf Twitter, es sei "inakzeptabel, Zivilisten, Kinder und Krankenhäuser in Aleppo zu bombardieren." Sie erklärte weiter: "Assad und Russland bewegen sich weiter vom Frieden weg."

Bei Luftangriffen schlugen am Samstag im Krankenhaus M10, der größten Klinik im von den Rebellen kontrollierten Ostteil der Stadt, mindestens zwei Fassbomben ein. Dem UN-Nothilfebüro OCHA zufolge sind damit im Osten Aleppos nur noch fünf Kliniken in Betrieb. Kinder mit geringen Überlebenschancen würden dem Tod überlassen, weil es an medizinischer Versorgung fehle, erklärte die Hilfsorganisation.

Russland warnt USA vor Attacken auf syrisches Militär

Aleppo hatte in den vergangenen Tagen die heftigsten Bombardierungen der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 erlebt. Kritiker werfen Syrien und Russland vor, absichtlich Krankenhäuser ins Visier zu nehmen. Beide Länder weisen den Vorwurf zurück und erklärten, sie kämpften in Syrien gegen Terroristen. Jüngst warnte Russland die USA vor Angriffen auf das syrische Militär. Jedwede Attacke werde Auswirkungen auf die gesamte Region haben, zitierten russische Nachrichtenagenturen am Samstag die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa. Sie sagte, ein Regierungswechsel in Syrien würde ein Vakuum erzeugen, das "Terroristen jeglicher Couleur" sofort füllen würden.

Seit vergangenem Sonntag starben in Aleppo fast 340 Menschen, darunter 106 Kinder, wie OCHA mitteilte. Die strategisch und symbolisch wichtige Großstadt gehört zu den umkämpftesten Gebieten im syrischen Bürgerkrieg. Regimekräfte kontrollieren den Westen Aleppos, Rebellen den Osten. Dort sind bis zu 300 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Es mangelt in den Rebellengebieten akut an Nahrung, Wasser und medizinische Material.

© SZ.de/dpa/AFP/AP/fehu/harl

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