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Syrien:Wettlauf um die noch vom IS kontrollierten Gebiete

Im Euphrat-Tal und um Deir al-Sour, dem urbanen Zentrum im Südosten Syriens, bahnt sich schon die nächste Schlacht an. Sie wird nicht nur die entscheidende im Kampf gegen den IS sein, sie dürfte auch größten Einfluss auf die Zukunft Syriens und den weiteren Verlauf des Bürgerkrieges haben. Hier könnten bald in größerem Umfang von den Amerikanern und Briten unterstützte Rebellen und Milizen auf Einheiten des Regimes von Präsident Baschar al-Assad treffen, darunter die Hisbollah, iranische Revolutionsgarden und womöglich auch russische Soldaten. Die beiden Seiten liefern sich derzeit einen Wettlauf um die noch vom IS kontrollierten Gebiete - zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen ist es bereits gekommen.

Bereits Mitte Mai flogen US-Kampfjets Angriffe auf syrische Regierungstruppen und Hisbollah-Kämpfer, die sich einem US-Feldlager in al-Tanf näherten, wenige Kilometer von der irakischen Grenze auf syrischem Gebiete gelegen. Von Russen und Amerikanern als Flugverbotszone definiert, fingen US-Tarnkappenjets einen syrischen Jagdbomber ab. Die Amerikaner und britische Spezialeinheiten bilden in al-Tanf Rebellen der Gruppe Maghawir al-Thawra für den Kampf gegen den IS aus. Allerdings dürften diese ebenso wenig wie die SDF die Absicht haben, vom IS freigekämpfte Gebiete dem Regime oder dessen iranischen Unterstützer zu überlassen.

Vergangene Woche näherte sich erneut ein Konvoi mit einem Panzer, Artillerie- und Luftabwehrgeschützen der Sperrzone. Die Amerikaner setzten über ihre Hotline mit dem russischen Oberkommando in Syrien Warnungen ab - ohne Erfolg. US-Kampfjets zerstörten daraufhin den Panzer und die Geschütze. Zudem schossen sie zwei iranische Drohnen ab. Eine davon hatte das Camp beobachtet, die andere mit Raketen gefeuert. Beim Angriff auf die Bodenstation sollen Hisbollah-Kämpfer und zwei iranische Techniker verletzt worden sein.

Russlands Außenminister Sergeij Lawrow kritisierte den Angriff als "aggressiven Akt" und telefonierte mit seinem US-Kollegen Rex Tillerson. Ein zum russischen Verteidigungsministerium gehörender TV-Sender hatte Ende Mai Bilder russischer Kampfhubschrauber verbreitet, die in dem Gebiet nahe dem Dreiländer-Eck mit Irak und Jordanien Einsätze flogen, offenkundig zur Unterstützung jener Milizen, die von den US-Jets bombardiert wurden.

Israel hat mehrmals Ziele in Syrien bombardiert

Syriens Präsident Assad gibt dieser Front im Osten nun Priorität: Soldaten stießen erstmals seit 2015 nördlich von al-Tanf an die Grenze zum Irak vor und schnitten damit den Amerikanern und ihren Partnern den Weg ab; andere wurden aus Aleppo Richtung Deir al-Sour verlegt.

Iran versucht, südlich von Mossul eine Landbrücke nach Syrien zu schaffen, einen Nachschub-Weg für die Hisbollah in Libanon. Der Chef ihrer Revolutionsgarden, Qassem Soleimani, ließ sich im Grenzgebiet mit Soldaten fotografieren. Das dürfte Israel mit größter Besorgnis sehen; in den vergangenen Monaten hat es mehrmals Ziele in Syrien bombardiert. Angeblich handelte es sich jeweils um Waffenlieferungen für die Hisbollah.

Zudem hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, sich Irans Streben nach mehr Einfluss in der Region entgegenzustellen. Im Osten Syriens wird sich zeigen, ob er dem Taten folgen lässt. Im Pentagon gilt die Situation dort auch als Test, wie weit Moskau bereit ist, Irans Ambitionen (und jene von Assad) zu unterstützen. Verteidigungsminister James Mattis sagte, Russland habe versucht, die iranisch-syrischen Kräfte von ihrem Vorstoß auf den US-Stützpunkt abzuhalten. Ob dies eine rein taktische Entscheidung war oder Rückschlüsse auf die russische Strategie erlaubt, ist allerdings nach wie vor eine offene Frage.

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