Symbolpolitik Ein ewiger Wettstreit

Welche Nation hat für ihre Helden, Heiligen oder Götter die mächtigsten Statuen gebaut? Und ist größer tatsächlich immer schöner? 13 Statuen im Vergleich.

Text von: Ulrike Heidenreich, Grafik von: Clara Köhler
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Statue der Einheit, 182 Meter, Indien

Bei ihrer Einweihung regneten Blüten aus Helikoptern: Es war eine pompöse Zeremonie im Bundesstaat Gujarat, als im Oktober 2018 die höchste Statue der Welt eingeweiht wurde. Das Feuerwerk versprühte die Nationalfarben, und Regierungschef Narendra Modi versprach, dieser Tag werde in die Geschichte Indiens eingehen. Die Statue zeigt den Unabhängigkeitshelden Sardar Vallabhbhai Patel. Kritik gab es an den Kosten, knapp 360 Millionen Euro, zudem war Land für den Bau enteignet worden.

Crazy Horse Memorial, 172 Meter, USA

Seit 1948 wird an dem Indianer-Denkmal gebaut. Korczak Ziolkowski erhielt vom Häuptling der Sioux-Indianer den Auftrag, das Denkmal in einen Berg der Black Hills in South Dakota zu hauen. Bis heute ist nur das Gesicht von Crazy Horse zu sehen. Als Ziolkowski 1982 starb, übernahmen dessen Witwe und sieben seiner zehn Kinder die Arbeit. Das Projekt ist umstritten, denn keiner weiß, wie der Anführer der Oglala-Indianer wirklich aussah. Crazy Horse wollte sich nicht abbilden lassen.

Laykyun Setkyar, 116 Meter, Myanmar

Sie ist die größte buddhistische Statue der Welt. Lackiert in gold schimmerndem Gelb zeigt sie Shakyamuni, einen spirituellen Meister. Die Skulptur steht seit 2008 in in der Sagaing-Region von Myanmar. Sie wurde durch Spenden finanziert und hat es in sich: Mit einem Lift kann man im Inneren der Kolossalstatue hochfahren.

Mutter Heimat, 102 Meter, Ukraine

Sie ist aus rostfreiem Stahl und wiegt etwa 500 Tonnen: Unübersehbar auf einem waldigen Hügel nahe des Nationalmuseums in Kiew steht diese gigantische Kriegerin. Sie erinnert an den Sieg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg. Auf dem Schild ist das Wappen der Sowjetunion abgebildet. Leonid Breschnew weihte die Statue 1981 ein.

Marienstatue, 96 Meter, Philippinen

Noch immer ist die Marienstatue von Montemaria südlich von Batangas City nicht komplett fertig. Doch sie ist weithin sichtbar, vor allem für die Schiffe, die die Isla-Verde-Straße inmitten der Philippinen passieren. Vor zwölf Jahren wurde mit dem Bau begonnen. 1001 Stufen führen innen vom Sockel bis zur Krone der Statue.

Freiheitsstatue, 92,99 Meter, USA

Die Statue of Liberty steht im New Yorker Hafen, wurde am 28. Oktober 1886 eingeweiht und ist ein Geschenk des französischen Volkes an die Vereinigten Staaten. 1878 wurde der Kopf noch auf der Weltausstellung in Paris gezeigt, danach wurde die Statue in 350 Teile zerlegt und per Frachter über den Atlantik transportiert. Bis 1959 war sie die höchste Statue der Welt.

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Rita de Cássia, 56 Meter, Brasilien

Seit 2010 erfreut man sich in Santa Cruz im Nordosten Brasiliens an der riesigen Figur, die der heiligen Rita von Cascia, einer italienischen Nonne, gewidmet ist. Auch in Europa ist die Patronin der Metzger präsent. Ihr Leichnam ruht in der Basilica die Santa Rita in Cascia in Umbrien.

Monument der afrikanischen Renaissance, 49 Meter, Senegal

Die Bronzefigur ist die höchste Statue in Afrika und steht in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Sie zeigt eine Familie: Eine Frau und ein Mann mit Kind auf dem Arm steigen aus einem Vulkan. Bei der Einweihung im Jahr 2010 gab es Kritik an den Baukosten, 27 Millionen Dollar, und am stalinistischen Stil bei der Ausführung.

Großer Buddha, 45 Meter, Thailand

Auf der Insel Phuket im Süden Thailands sieht die Buddha-Figur seit gut elf Jahren auf die Chalong-Bucht hinunter. Der Buddha ist Pilger- und Touristenort zugleich.

Dschingis Khan, 40 Meter, Mongolei

Das Reiterstandbild ist das höchste der Welt, es zeigt Dschingis Khan in Töw-Aimag, wo er der Legende nach eine goldene Gerte gefunden hat. Hier besteht das Material aber aus Edelstahl, rund 250 Tonnen.

Cristo Redentor, 30 Meter, Brasilien

Diese monumentale Christusstatue blickt vom Corcovado auf Rio de Janeiro hinunter. Sie wurde 1931 errichtet und stand Modell für viele weitere Christusstatuen.

Bavaria, 18,40 Meter, Deutschland

Verglichen mit den Monumentalkolossen aus aller Welt wirkt die Bavaria aus München winzig. Trotzdem ist sie eine Dame der Superlative: Sie wacht über das weltberühmten Oktoberfest und ist, wie ihre Freunde in aller Bescheidenheit versichern, der größte Bronzeguss der Welt. Sie wurde 1844 bis 1850 erbaut.

David, 5,10 Meter, Italien

Die Skulptur zeigt den biblischen David zu Beginn des Kampfes gegen Goliath. Michelangelo hat die Statue zwischen 1501 und 1504 gefertigt. Das Kunstwerk stand bis 1873 im Freien. Doch Witterung und Vogelkot setzten ihm so zu, dass er den Platz vor dem Palazzo Vecchio in Florenz verlassen musste. Dort steht nur noch eine Kopie.

Info

Fotos: Ajit Solanki/AP,DIRK LAMMERS/AP, mauritius images (4), imago stock (4), Wikimedia commons/ Lawrence Ruiz/ CC BY-SA 4.0, Gisela Schober/Getty images,Wikimedia commons/ MACÍLIO GOMES/ CC BY-SA 3.0