Die beiden Attentäter, die beim Anschlag auf eine jüdische Chanukka-Feier am Bondi Beach in Sydney 15 Menschen getötet haben, stehen offenbar der Ideologie der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nahe. Das sagte Australiens Premierminister Anthony Albanese am Dienstag (Ortszeit) in einem Interview mit dem Sender ABC. Die bisherigen Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Anschlag „durch die Ideologie des Islamischen Staates motiviert war“, so Albanese. Diese habe zur „Bereitschaft, einen Massenmord zu begehen“, geführt.
Hinweise gab es mehrere. So waren im Auto der beiden mutmaßlichen Täter, Vater und Sohn, zwei IS-Flaggen gefunden worden. Zudem war der jüngere der beiden Attentäter den Behörden bereits 2019 wegen Kontakten zum IS aufgefallen. Albanese bekräftigte erneut, dass es damals keine Hinweise darauf gegeben habe, dass der heute 24-Jährige eine Gefahr darstellt. „Er wurde zu diesem Zeitpunkt nicht als verdächtig eingestuft“, so der Premier.
Australische Medien berichten unterdessen, der 24-Jährige und sein 50-jähriger Vater seien im vergangenen Monat auf die Philippinen gereist und hätten dort eine „militärähnliche Ausbildung“ absolviert, wie ABC berichtet. Der Süden des Inselstaates gilt als Hotspot für die Ausbildung von Islamisten. Die philippinischen Behörden bestätigen die Einreise. Vater und Sohn hätten sich zwischen dem 1. und 28. November auf den Philippinen aufgehalten, teilte die Einwanderungsbehörde in Manila mit. Ihr endgültiges Reiseziel auf den Philippinen war demnach die Stadt Davao auf der Insel Mindanao, wo Gruppen der Terrormiliz IS aktiv sind. Ende November seien die beiden Medienberichten zufolge nach Australien zurückgekehrt.
Der 50-jährige Angreifer wurde von Einsatzkräften am Tatort erschossen. Sein 24-jähriger Sohn wurde angeschossen und festgenommen – er liegt nach wie vor mit schweren Verletzungen im Krankenhaus, soll Berichten zufolge inzwischen aber außer Lebensgefahr sein.

Darüber hinaus erklärte Albanese, seine Regierung werde weiter alles tun, um gegen Judenfeindlichkeit vorzugehen. „Wir möchten den Antisemitismus beseitigen. Das ist das Ziel“, sagte der Premier. Nach dem Anschlag hatte Israel kritisiert, Australien unternehme zu wenig zum Schutz von Jüdinnen und Juden.
Laut der australischen Sonderbeauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus, Jillian Segal, nahmen antisemitische Vorfälle allein von Oktober 2023 bis September 2024 um 316 Prozent zu. Es seien mehr als 2000 Fälle gemeldet worden, darunter Drohungen, Übergriffe, Sachbeschädigungen und Einschüchterungen. Dazu zählte sie einen Brandanschlag im Dezember 2024 auf eine Synagoge in Melbourne. Die australischen Behörden machten damals Iran verantwortlich und wiesen den iranischen Botschafter aus.
Nach dem Anschlag erstrahlte das weltberühmte Opernhaus von Sydney mit dem Bild eines Chanukka-Leuchters. Mit der Projektion gedachte Sydney der Opfer des Terroranschlags vom Sonntag.
Mit Material der dpa.

