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Super Tuesday:"Vote blue, no matter who"

Candice Kerestan, leitet die Democrats Abroad in Deutschland und lebt in München

Candice Kerestan leitet die Democrats Abroad in Deutschland und lebt in München.

(Foto: privat)

Wähle blau, egal wen: Candice Kerestan leitet die Vorwahlen der "Democrats Abroad" in Deutschland. Vor dem Super Tuesday erklärt sie, wie ihre Partei im November gegen Donald Trump gewinnen will.

Wer soll im Herbst Donald Trump bei der Wahl zum US-Präsidenten herausfordern? Der sogenannte Super Tuesday könnte eine Vorentscheidung bringen im Wettbewerb der demokratischen Kandidaten. In 14 Bundesstaaten ruft die Partei zur Wahl auf, dazu im Außengebiet Amerikanisch-Samoa. An keinem anderen Tag der Vorwahlen werden so viele Stimmen vergeben.

Auch die im Ausland lebenden Demokraten, die "Democrats Abroad", beginnen an diesem Dienstag mit ihrer Abstimmung, der Global Presidential Primary. Sie dürfen 21 Delegierte zum Parteitag im Juli nach Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin schicken. Candice Kerestan, 27, Doktorandin der Politikwissenschaft, leitet die Democrats Abroad in Deutschland. Sie wohnt in München zwar fern ihrer Heimat Pennsylvania, ist aber entschlossen, eine Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern.

SZ: Frau Kerestan, wer darf bei Ihnen mitwählen?

Candice Kerestan: US-Staatsbürger im Ausland, die Teil der Demokratischen Partei sind und bis zur Präsidentschaftswahl im November mindestens 18 Jahre alt sind. Außerdem muss man sich auf unserer Webseite anmelden. Es gibt hier etwa 120 000 US-Bürger, die Angehörigen des Militärs nicht eingerechnet. Vor vier Jahren haben sich etwa 2000 davon an den Vorwahlen der Demokraten beteiligt. Jetzt gehen die Mitgliederzahlen steil nach oben. Teilweise um mehrere Hundert pro Tag. Derzeit zählen wir 11 300 Mitglieder.

Ist das Interesse an der Wahl also höher als 2016?

Auf jeden Fall. Vielen Menschen ist bewusst, dass die Wahl im Herbst entscheidend ist für die Zukunft der Demokratie.

Wieso für die Zukunft der Demokratie?

Seitdem Donald Trump an der Macht ist, reden wir ständig über Themen, die bis vor fünf Jahren unvorstellbar waren. An der mexikanischen Grenze sitzen Kinder als illegale Einwanderer im Gefängnis - das verstößt gegen die Menschenrechte. Man könnte stundenlang fortfahren mit solchen Beispielen, von Trumps stetigen Angriffen auf die Presse über seine Missachtung des Justizsystems bis hin zu dem respektlosen Verhalten gegenüber Minderheiten. Wenn Trump im Amt bleibt, dann wird er sich noch weiter radikalisieren. Das war bislang bei allen US-Präsidenten der Fall. Sie müssen dann kaum mehr Rücksicht nehmen, weil nach der zweiten Amtszeit auf jeden Fall Schluss ist. Bei Trump verheißt das sicher nichts Gutes.

Die Demokraten sind gespalten in ein eher linkes Lager um Bernie Sanders und Elizabeth Warren und die Konservativen um Michael Bloomberg oder Joe Biden. Wie groß ist der Graben?

Ich halte das für eine gesunde, notwendige Debatte in unserem demokratischen System. Und vieles, was etwa Bernie Sanders vor vier Jahren forderte, hat die Partei inzwischen ins Programm aufgenommen. Zum Beispiel eine öffentliche Gesundheitsversorgung. Aber ob links oder Mitte - am Ende entscheiden die Wähler.

Vor vier Jahren haben Sie offen für Bernie Sanders geworben, am Ende wurde es Hillary Clinton. Sind Sie heute wieder für Sanders?

Ich werde mich aufgrund meiner offiziellen Rolle diesmal nicht positionieren. Wir als Democrats Abroad bleiben während der Vorwahlen neutral, auch das Nationalkomitee der Demokraten in den USA hat entschieden, die Haltung von Mitarbeitern und Freiwilligen nicht bekannt zu geben. Das ist eine Lehre aus dem Wahlkampf 2016. Die einen waren damals für Sanders, die anderen für Clinton, die Atmosphäre war schlecht. Diesmal wollen wir geschlossen auftreten und den Kandidaten mit den meisten Stimmen aus den Vorwahlen ausnahmslos unterstützen. Denn alle sind der Meinung: Selbst der aus ihrer Sicht schlechteste Kandidat ist immer noch tausend Mal besser als Trump. Das Motto lautet: "Vote blue no matter who" - Wähle blau, egal wen (Blau ist die Farbe der Demokratischen Partei; Anm. d. Red.).

Bloomberg tritt unter anderem deshalb an, um den angeblichen Sozialisten Sanders zu verhindern. In Deutschland wären die beiden vermutlich nicht innerhalb der gleichen Partei zu finden. Wie bringt man das zusammen?

Das ist sehr schwierig. Viele Demokraten haben die gleichen Ziele, jedoch unterschiedliche Strategien, wie man diese verwirklichen kann. Die Republikaner haben allerdings das gleiche Problem mit moderaten und sehr weit rechts positionierten Vertretern. Wir haben in den USA durch das Mehrheitswahlrecht eben nur zwei relevante Parteien, da müssen wir das Beste draus machen.

Sie waren 2016 vor der Wahl zum Präsidenten sicher, dass Hillary Clinton gewinnen wird. War diese Siegesgewissheit ein Fehler?

Wir waren uns alle sicher. Für mich war es selbstverständlich, dass der Klimawandel existiert und ein Problem darstellt. Diskriminierung jeglicher Art erschien mir überwunden. Ich dachte, die Welt ist so und wird immer so bleiben. Vielleicht haben wir deshalb 2016 nicht hart genug für diese Werte gekämpft. Wir waren wohl zu selbstsicher, zu selbstgefällig. Die Wahl Donald Trumps war für mich die Alarmglocke. Wenn man in einer gerechten Welt leben möchte, muss man für die Demokratie und die Menschenrechte kämpfen.

Trump sagt, er hat die Wirtschaft flottgemacht, die Demokraten würden den Aufschwung gefährden. Was haben Sie dem entgegenzusetzen?

Die Realität. Trump steht am Rednerpult und erklärt, wie die Wirtschaft floriert. Aber in Wahrheit benötigen viele Menschen zwei, drei Jobs, um sich über Wasser zu halten. Der Unterschied zwischen seinen Worten und der Situation der Leute ist groß. Sein Wirtschaftsaufschwung kommt vor allem den Börsianern an der Wall Street zugute. Ich komme aus einer ländlichen Gegend in Pennsylvania, wo vor vier Jahren 74 Prozent für Trump gestimmt haben. Den Leuten geht's immer noch nicht gut. Einige Freunde und Familienmitglieder sagen, dass sie diesmal nicht für Trump stimmen.

Wie schwierig ist es für Sie, Trump-Wähler im Freundeskreis und in der Familie zu haben?

Ich bin damit aufgewachsen. 2004, als Kind, hatte ich einen Aufkleber für den Republikaner George W. Bush an meinem Fenster kleben. Es gab dort nur eine Handvoll Demokraten - und das waren Außenseiter. Das hat sich kaum verändert. Viele der Trump-Wähler von 2016 sagen, sie haben ihn gewählt, weil sie wussten, dass sich damit etwas im Land bewegen wird. Sie wussten, dass es ein Risiko war, aber das wollten sie eingehen. Jetzt kennen sie das Ergebnis. Bestenfalls ist alles beim Alten geblieben, bei einigen hat sich die Lage sogar verschlechtert.

Nach der Vorwahl am Samstag in South Carolina haben Pete Buttigieg und Tom Steyer ihre Kandidatur beendet. Wird sich am Super Tuesday entscheiden, wer die Demokraten in die Wahl führen wird?

Das glaube ich nicht. Die Kandidaten haben viel Zeit und Geld in ihre Kampagnen gesteckt, haben engagierte Unterstützer und werden daher nicht vorschnell aufgeben wollen. Außerdem wird in vielen Bundesstaaten mit unterschiedlichen politischen Kulturen gewählt. Deshalb könnte es auch mehrere Gewinner geben.

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© SZ/mcs/bepe
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