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Traum vom Frieden:Frieden muss immer wieder gestiftet werden

Und zwei Jahre nach den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkündet: Schon im ersten Satz wird dort festgestellt, dass: "die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet".

Die Erklärung orientiert sich an Kants Schrift "Zum ewigen Frieden". Aber gebracht hat sie den Frieden auch nicht. Er muss immer wieder gestiftet werden - mit allen möglichen Mitteln: Mit den Mitteln des Rechts und der Gerichte, mit Bündnissen, mit "Runden Tischen", an denen Täter und Opfer miteinander sitzen und reden. Miteinander reden statt aufeinander schießen: Das ist der Wegweiser zum Frieden.

Der französische Diplomat Stéphane Hessel, Emigrant aus Berlin, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, war 1948 ein junger Mann von 30 Jahren, als die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkündet wurde. Damals schrieb er in sein Tagebuch: "Vielleicht einer der bewegendsten Augenblicke meines Lebens."

Ein internationales Gericht

Es dauerte lang, bis sich das Völker- und Friedensrecht weiterentwickelte. 1998 wurde von den Vereinten Nationen beschlossen, den Weltstrafgerichtshof in Den Haag einzurichten. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einem "Geschenk der Hoffnung". Die USA allerdings machen hier nicht mit, sie behindern die Arbeit des Gerichts. Es gehört wohl zum Selbstbewusstsein der Supermacht, keine Autorität über sich zu dulden, sich keiner Macht zu beugen, auch nicht einem unabhängigen Gericht. Vielleicht müssten sich die Amerikaner ja sonst schon wegen der Folterungen im Gefängnis von Abu Ghraib vor den Weltstrafrichtern verantworten.

Stéphane Hessel, der 1948 von einem "der bewegendsten Augenblicke" seines Lebens gesprochen hatte, ist nicht einverstanden mit der Entwicklung, die die Welt seitdem genommen hat. Der 93-Jährige ruft in seinem zornigen Aufsatz "Empört Euch" zum Protest auf gegen die Macht der Finanzmärkte - und beschwört den inneren und äußeren Frieden. Wie sagt Kant? Der Frieden muss gestiftet werden. Immer wieder.

Um Frieden geht es in der nächsten Süddeutschen Zeitung für Kinder, die am Mittwoch, 14. Dezember, der Süddeutschen Zeitung beliegt.

© SZ vom 14.12.2011/rai
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